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Review: Boston Manor – GLUE

by Jana Gall

Kaum eine Band arbeitet so hart wie Boston Manor. Seit 2015 waren die fünf Engländer fast ununterbrochen auf Tour, unter anderem mit Knuckle Puck, Enter Shikari und Good Charlotte. Währenddessen veröffentlichten sie ihre ersten zwei Alben, Be Nothing. (2016) und Welcome to the Neighbourhood (2018). Mit GLUE (2020) erscheint nun das dritte Album der Band, die ihre Musikrichtung als Post-Pop-Punk bezeichnet.

Vorab wurden fünf Singles veröffentlicht, unter anderem Everything is Ordinary, On a High Ledge und Liquid, letztere ist eine Zusammenarbeit mit Trophy Eyes Sänger John Floreani. Es ist offensichtlich, dass Boston Manor sich mit diesem Album endgültig von ihrem Image als Pop-Punk-Band, das sie seit dem Release von Be Nothing (2016) verfolgt, entfernen wollen.

Everything is Ordinary ist ein schneller Elektro-Rock-Song, bei dem sich Sänger Henry Cox am Stimmverzerrer bedient. Von den melancholischen, eintönigen Pop-Punk-Klängen ihrer älteren EPs ist nichts mehr übrig. Stattdessen scheinen die Musiker von Album zu Album wütender zu werden. Die Texte werden immer gesellschaftskritischer, immer politischer. Es folgt ein schneller Song auf den anderen, Cox schreit die Texte nur so heraus. Auch wird seine Stimme in weiteren Songs verzerrt, zum Beispiel in 1’s & 0’s. Es werden mehr Elektro-Elemente verwendet, das Album klingt experimenteller als die Vorgänger. Thematisiert werden die Unfähigkeit zur Zusammenarbeit in unserer Gesellschaft, Kritik an privilegierten Gruppen und die falschen Versprechen der Unterhaltungsindustrie. Zugegebenermaßen klingt das Album beim ersten Hören an einigen Stellen etwas eintönig und die Songs verschwimmen ineinander, dies ändert sich jedoch, wenn man das Album einige Male gehört hat.

Abwechslung bringen vor allem die langsameren Songs. Die ruhige, von Gitarren getragene Single On a High Ledge klingt bedrückend, jedoch nicht ohne Grund. Es geht um mentale Gesundheit und darum, wie diese vor allem bei Männern vernachlässigt wird. Mit Stuck In The Mud hat sich zum ersten Mal ein Klavier auf ein Boston Manor Album geschlichen. Es ist ein trauriger Song, der erneut von mentaler Gesundheit und den damit einhergehenden Gefühlen der Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit handelt. Der Song eignet sich perfekt, um die Stimme des talentierten Sängers hervorzuheben und wird diejenigen beruhigen, die sich nicht mit der verzerrten Stimme in den anderen Songs anfreunden können.

Ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Boston Manor sich verändert haben, ist der letzte Song, Monolith. Der dynamische, energiegeladene Song mit eingängigem Refrain und einem einminütigen Outro, in dem erneut das Klavier auftaucht, ist der perfekte Abschluss für das Album.

GLUE (2020) ist ein großer Schritt in eine neue Richtung. Boston Manor trauen sich, neue Wege zu gehen. Wer immer noch ihrem alten Sound hinterher trauert, wird von diesem Album enttäuscht sein. Wer sich jedoch auf etwas Neues einlassen kann, wird mit dem Album mehr als zufrieden sein. Es bleibt nur noch abzuwarten, wie sich die neuen Songs live machen.

Foto: Offizielles Pressefoto

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