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Adam Lambert: Eine Zeitreise in die 70er

by Jana

Bekannt geworden ist Adam Lambert durch seine Teilnahme bei der achten Staffel der amerikanischen Sendung American Idol, danach ging seine Karriere durch die Decke. Er veröffentlichte drei Studioalben, die Hits wie Ghost Town enthielten und ist seit 2014 auf Tour mit den Rock-Ikonen Queen. Nun steht sein viertes Album Velvet (2020) in den Startlöchern und wir hatten die Ehre, mit ihm über das Album und die anstehende Tour zu sprechen.

Gringoz: Es ist bereits über zehn Jahre her, seit du bei American Idol aufgetreten bist, jetzt bringst du dein viertes Studioalbum raus. Die Hälfte der Songs ist bereits auf Velvet: Side A (2019) erschienen, was hat dich dazu bewegt, so viele Songs schon vorher zu veröffentlichen? Konntest du einfach nicht abwarten, deinen Fans die Songs zu zeigen?

Lambert: Ich schätze dieser Schritt sollte zu diesem Retro-Gefühl meiner neuen Songs beitragen. Ein großer Teil des Albums wurde von den 70ern inspiriert, es in zwei Hälften zu veröffentlichen ist eine Hommage daran, wie Musik in dieser Zeit aufgenommen wurde. Schallplatten haben zwei Seiten, also würde man das Album traditionell in zwei Hälften hören. Außerdem ist es lange her, dass ich neue Musik veröffentlicht habe, also habe ich mich gefreut, endlich zeigen zu können, woran ich gearbeitet habe.

Gringoz: Wie haben deine Fans auf die erste Hälfte des Albums reagiert? Schaust du dich im Internet aktiv nach Meinungen um oder ist dir das mittlerweile egal?

Lambert: Ich denke, den Fans hat es gefallen. Natürlich gibt es zu jeder Art von Kunst, die man in die Welt setzt, die unterschiedlichsten Meinungen. Ich habe aufgehört, mir Gedanken zu machen, was in den Charts läuft oder was gerade angesagt ist. Meine neue Musik ist genau das, was ich machen wollte. Das Resultat meines Albums ist eine Kollektion von Musik, die von vielen verschiedenen Genres inspiriert wurde. Ich hoffe, Fans mögen es, hören es gerne und nehmen etwas davon mit. Die kritischen Meinungen interessieren mich nicht.

Gringoz: Du warst in den letzten Jahren sehr lange auf Tour. Hat das den Schreibprozess von Velvet negativ oder positiv beeinflusst? Ist es schwieriger, Inspiration zu finden, wenn man nur unterwegs ist?

Lambert: Inspiration ist überall. Jedes Gefühl und jede Erfahrung. Queen inspirieren mich jeden Tag, Freddie Mercury inspiriert mich. In der Lage zu sein, mit Legenden wie Brian May und Rodger Taylor aufzutreten und jeden Abend solche Hymnen mit ihnen zu performen, ist eine großartige Inspiration. Natürlich kann eine Tour sehr intensiv sein, es bleibt nicht viel Zeit, Songs zu schreiben oder aufzunehmen, aber wenn ich so lange unterwegs bin, finde ich überall Inspiration. Ich habe Glück, dass ich durch die Tour so viele verschiedene Orte besuchen kann.

Gringoz: Wir konnten uns Velvet (2020) bereits anhören und es ist ein wirklich gelungenes Album. Gibt es einen Song, auf den du dich besonders freust?

Lambert: Ich freue mich sehr, den Titelsong, Velvet, zu veröffentlichen. Es wird ein sehr witziges, kreatives Video dazu rauskommen und ich hoffe wirklich, dass es euch gefällt. Viele Leute, die das Album hören, haben unterschiedliche Lieblingslieder darauf, also kann ich es nicht abwarten, sie alle zusammen auf einem Album zu veröffentlichen.

Gringoz: Vor einer Weile ist die Single Roses erschienen, an der du zusammen mit Nile Rodgers gearbeitet hast. Wie war es, mit ihm zu arbeiten und was hat dir diese Zusammenarbeit bedeutet?

Lambert: Nile ist großartig, ein musikalisches Genie. Ich habe schon vorher mit ihm gearbeitet und es war mir, wie immer, eine Freude. Es gibt viele 70er-Einflüsse auf dem Album, daher ist es wirklich super, mit einem so kultigen Funk-Musiker arbeiten zu können. Er ist ein echtes Genie.

Gringoz: Der Release deines letzten Albums ist bereits fünf Jahre her. Würdest du sagen, dass du und deine Musik sich verändert haben? Hast du dich persönlich weiterentwickelt und spiegelt sich diese Entwicklung auf dem Album wider?

Lambert: Definitiv! Ich bin erwachsener geworden und weiß, wie meine Musik jetzt klingen soll. Ich will, dass es wirklich nach mir klingt und eine Kollektion der Sachen ist, von denen ich inspiriert wurde. Ich hatte noch nie so viel kreativen Freiraum und ich hatte jetzt auch die Möglichkeit, dies in den Texten zu zeigen. Dieses Album ist das am meisten nach Adam Lambert klingende Album, das ich je geschrieben habe.

Gringoz: Du bist im August und frühen September in Europa unterwegs. Freust du dich darauf? Hast du noch Spaß am Touren oder wird es manchmal anstrengend?

Lambert: Ich freue mich immer darauf, nach Europa zu kommen. Jedes Land, das ich besuche, ist so unterschiedlich und doch sind die Fans überall echt super. Ich denke das ist es, was dich weitermachen lässt, wenn du immer nur auf Tour bist. Du bist vielleicht erschöpft, aber wenn du auf die Bühne trittst und all die lächelnden Gesichter deine Songs mitsingen, ist es dir egal. Es geht um genau diesen Moment und darum, mit den Fans zusammen zukommen um Musik und das Gefühl, das sie einem vermittelt, zu feiern.

Gringoz: Die Velvet Tour beginnt beim Manchester Pride. Als Teil der LGBTQ+ Community und Gründer der Feel Something Foundation ist das wahrscheinlich ein bedeutsames Ereignis für dich. Wie fühlt es sich an, wenn so viele junge Mitglieder der LGBTQ+ Community zu dir aufsehen? Vor allem, wenn man bedenkt, wie deine Sexualität während deiner Zeit bei American Idol diskutiert wurde, denkst du, die Situation für LGBTQ+ Künstler hat sich in den letzten zehn Jahren verbessert?

Lambert: Es ist eine große Ehre, beim Machester Pride zu spielen und ich freue mich, die Tour bei so einem Event zu starten. Ich hatte mein Coming Out bei meiner Familie und meinen Freunden bereits bevor meiner Zeit bei der Show, aber meine Sexualität machte Schlagzeilen. Es war, als müsste ich mich ein zweites Mal outen, aber dieses Mal der Öffentlichkeit gegenüber. Ich denke, das ist immer noch der Fall, aber ich bin froh, dass LGBTQ+ Künstler sichtbarer werden. Der Fakt, dass Sam Smith jetzt zum Mainstream gehört, genau wie Christine + the Queens, Years & Years, Olly Alexander. Ich denke, vieles hat sich geändert und es wäre anders für mich, wenn ich erst jetzt zu einer öffentlichen Figur werden würde. Trotzdem hat sich noch nichts geändert, man muss sich immer noch „outen“. Das ist der Grund, wieso ich es zu einem der Ziele der Feel Something Foundation gemacht habe, die Notwendigkeit sich zu outen abzuschaffen. Wir müssen einen Punkt erreichen, an dem wir sagen können „das bin ich“, ohne es zu erklären oder ein Statement dazu abzugeben.

Gringoz: Ist es ein großer Unterschied, mit Queen oder allein auf der Bühne zu stehen? Ist das Publikum anders, vielleicht schwieriger zu überzeugen?

Lambert: Ich meine Queen sind Queen, weißt du? Bei Queen Konzerten sieht man Menschen aus allen Generationen, die die gleiche Musik mögen, was sehr selten für Konzerte ist. Es ist also ein großer Unterschied zu meinen Solokonzerten! Bei den Queen Konzerten geht es einfach darum, diese legendäre Musik zu feiern, die Band und Freddies Leben und seine Texte. Aus diesen Gründen trenne ich meine Soloprojekte strikt davon. Natürlich wurde ich von Queen inspiriert, aber meine Konzerte handeln nur von meinen Einflüssen. Das Publikum ist nicht so breit aufgestellt, aber man kann sich eben nicht mit Queen messen und das möchte ich auch gar nicht!

Gringoz: Wie bereits erwähnt, ist deine Zeit bei American Idol schon über zehn Jahre her. Davor hat du in Musicals mitgewirkt. Würdest du das wieder tun, wenn du die Gelegenheit hättest, oder bist du da heraus gewachsen?

Lambert: Klar! Ich liebe Musicals, allerdings habe ich einfach keine Zeit dafür. Es gibt so viele Dinge, die ich tun will!

Gringoz: Wir kommen zur letzten Frage. In den letzten zehn Jahren hat du erreicht, wovon viele Künstler nur träumen können. Wo siehst du dich in zehn Jahren? Gibt es überhaupt noch etwas, das du erreichen willst?

Lambert: Ich habe so ein Glück, das tun zu können, was ich tue. Ich hoffe das bleibt noch eine Weile so! Ich habe keine festen Ziele, ich möchte einfach weiter Musik machen und vor Publikum auftreten, das diese Musik gerne hört. Ich habe die Feel Something Foundation gerade erst gegründet, das ist also etwas, worauf ich mich jetzt fokussiere. Ich möchte wirklich etwas im Leben von LGBTQ+ Menschen ändern und die Foundation soll genau das erreichen. Ich schätze, das ist mein Ziel!

Gringoz: Das ist ein schönes Ziel. Vielen Dank für das Interview!

Mit seinem vielfältigen Funk-Rock-Album Velvet (2020) ist Adam Lambert im September auf Tour in Deutschland.  Schon im Juni kann man ihn mit Queen in den großen Arenen performen sehen.

Interview: Jana Gall

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