Home ReviewsLive Reviews 20 Jahre Silverstein und die längste Setlist der Welt

20 Jahre Silverstein und die längste Setlist der Welt

by Mona

Ach was haben wir uns doch gefreut, als die fünf Jungs von Silverstein im Sommer letzten Jahres ihre Tournee für 2020 anlässlich ihres 20jährigen Bestehens bekannt gegeben haben und dass dabei auch noch gleich fünf deutsche Städte mit dabei sein werden. Für die Feier haben sich die Kanadier rund um Sänger Shane Told die US-amerikanische Post-Hardcore Band Hawthorne Heights mit ins Boot geholt. Pünktlich zum Valentinstag haben wir uns in der Hamburger Markthalle zum gemeinsamen Abgehen, aber auch Schmusen, eingefunden.

Die Band Hawthorne Heights wird einigen vermutlich eher von zahlreichen Emoparties geläufig sein, auf denen vorzugsweise deren Alltime-Hit „Ohio Is For Lovers“ abgespielt wird, für den sie 2004 auch Gold eingeheimst hatten. Man muss den Jungs hoch anrechnen, dass sie 19 Jahre nach ihrer Gründung und trotz des Tods von Gitarrist Casey Calvert 2007, immer noch in der Ursprungsbesetzung zusammen musizieren. Dies ist vor allem in diesem Genre keine Selbstverständlichkeit mehr und definitiv nach so vielen Jahren gemeinsamen Wachstums. Viele Gründungsmitglieder haben sich in der Vergangenheit von ihrer Band aus Gründen der ungleichen persönlichen und musikalischen Entwicklung distanziert. Ein Grund mehr deren Start am frühen Abend des Valentinstags gebührend zu zelebrieren. Welches auch ganz gut klappt, da mit „Life on Standby“ gestartet wird, dem ersten Song auf deren 2004 veröffentlichten Debütalbum. Als dann noch „The Transition“, „Niki FM“ und „Silver Bullet“ folgen, fühlt man sich wieder in die Jugend zurückversetzt, als man das Genre über MySpace gerade erst für sich entdeckt hatte. Was für melancholische Momente. Die Party geht mit ein paar Tracks aus dem Nachfolger von 2006 weiter und wird nach acht Songs natürlich mit dem oben bereits erwähnten „Ohio Is For Lovers“ beendet, den die ersten Reihen kräftig mitschreien. Danke Hawthorne Heights für eine gelungene Reise zurück in die Vergangenheit!

Angekündigt sind drei Sets; das Durchbruch-Album „Discovering The Waterfront“ in voller Länge, die besten Hits der Band und eine feine Akustik-Session und man wurde einfach nicht enttäuscht. Insgesamt schmettern Silverstein der ausverkauften Markthalle innerhalb von zwei Stunden 26 Songs entgegen. Mit dem Einsteiger-Song ihrer 2019 erschienenen EP „Burn It Down“ wird man direkt auf das Thema des heutigen Abends hingewiesen; Komplettabriss! Reißt alles nieder und habt Spaß! Und so kommt es auch. Nach einem bunten Mix aus den neu erschienenen Songs wie „Retrograde“ und „Infinite“ spielen die Jungs auch viele Smasher aus dem 2009er Album „A Shipwreck In The Sand“ und „This Is How The Wind Shifts“. Was für ein klasse Mix. Der kleine Pit der Markthalle glüht, viele Fans aus den hinteren Reihen kommen zum Moshen nach vorne und tanzen sich heiß. Die sechs Songs während der Akustik-Session gehen dann wieder komplett unter die Haut. Die Crowd wird ruhiger, es wird zu „Massachusetts“, „Still Dreaming“, „Replace You“, „Aquamarine, „Red Light Pledge“ und „Toronto“ geschunkelt und die Handy-Taschenlampen angemacht. Auch hier; was für eine gute Mischung aus tiefgängigen, emotionalen Songs, neue wie alte. Die Stimmung ist schlagartig eine Andere. Pärchen nehmen sich in den Arm, die beste Freundin/der beste Freund wird zur Seite genommen und man wird aufgefordert im Takt der Musik die Arme in der Luft von rechts nach links schwenken zu lassen. Und auch hiernach wird man nicht enttäuscht; es gibt das komplette „Discovering The Waterfront“ in voller Länge um die Ihren gehauen. Ein Hit jagt den nächsten und man wird bei „Already Dead“ richtig melancholisch, da man weiß, dass der Abend bald sein Ende finden wird. Als die Band ohne Weiteres nach „Call It Karma“ von der Bühne geht, weiß man aber, dass da noch etwas nachgeliefert wird. „So einfach kommen die uns nicht davon“ – denken sich viele in diesem Moment. Also wird kräftig nach einer Zugabe geschrien und die Band zurückgeklatscht. Mit „Bleeds No More“ wird dann zum Abschluss vielen Fans an diesem Abend ein Wunschsong-Traum erfüllt. Told verabschiedet sich von Allen und wünscht sich noch einmal 20 Jahre mit seiner Band und Fans und auch wir verlassen mit einem lachenden und einem weinenden Auge die Markthalle, mit der Hoffnung, die Band weitere 20 Jahre begleiten zu dürfen…To Be Continued.

Redaktion: Mona Riahi

Fotocredit: Wyatt Clough

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