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Gänsehautmomente mit Cory Wells

by Alex Hoppen

Der Singer-Songwriter Cory Wells veröffentlichte erst im November letzten Jahres sein Debütalbum „The Way We Are“ über Pure Noise Records und tourte derweilen schon als Support für Dashboard Confessional durch die UK, Frankreich, die Niederlande und war auch für drei Konzerte in Deutschland zu Gast. Doch nun ist der junge Solokünstler mit seiner eigenen Headliner-Tour zurück in Deutschland und beehrt uns damit in gleich fünf Städten. Mit von der Partie ist ebenfalls ein Singer-Songwriter, nämlich Luke Rainsford aus Birmingham. Für Euch haben wir den Senkrechtstarter aus Kalifornien in Hamburg genauer unter die Lupe genommen.

Ein Tag vor Tourbeginn im ausverkauften MTC in Köln steht fest, dass Wells seine Tour ohne den zweiten geplanten Support Lizzy Farrall aus Chester bestreiten muss. Die junge Alternative-Künstlerin muss leider aus gesundheitlichen Gründen all ihre Auftritte absagen; stattdessen wird es in einigen Städten aber lokale Supports geben oder Mr. Luke Rainsford wird ein verlängertes Set zum Besten geben.
Ein Underground-Konzert zum Montagabend wie es im Buche steht. Nicht viele Akustik-Begeisterte schaffen es zum Abendauftakt mit dem Briten Luke Rainsford um 20 Uhr, aber das ist auch überhaupt nicht schlimm. So ein kleines, feines Akustikset fühlt sich in genau der Aufmachung, wie es das Hafenklang zu bieten hat, genau richtig an. Und letzten Endes hat jeder große Künstler einmal klein angefangen. Man fühlt sich durch die lockere und freundliche Art des Briten gut entertaint und schunkelt zu den Songs seiner beiden Alben „I’m Nothing Like My Dad Turned Out To Be“ und „I Feel at Home with You“ mit. Auch sein erst kürzlich veröffentlichter neuer Song „In Spite of All My Worry“ kommt beim Publikum gut an und wird von einigen erschienenen Fans aus der ersten Reihe kräftig mitgesungen. Ein sympathischer junger Künstler, wie wir finden.

Nach einer kleinen Pause betreten dann Wells und sein Kumpel Chase Parsons samt ihrer Gitarren ganz locker und entspannt die Bühne. Man ist direkt gespannt, was aus dem kleinen Kalifornier so alles raus kommt. Schon bei den ersten Gitarrenmelodien erstarrt man und als Wells‘ Stimme noch dazu einsetzt, bekommt man Gänsehaut. Was eine Mörderstimme … der junge Singer-Songwriter spielt zum ersten Mal seine neue Platte live und bereits jetzt kennen einige Zuschauer schon die Songs in- und auswendig und unterstützen Wells lautstark. Zwischen den einzelnen Songs erzählt uns Cory dann auch noch etwas zu seiner musikalischen Entwicklung, dass er sogar eher aus dem Metalbereich stammt, da er früher in einer Metal-Band gespielt hat, er aber merkte, dass ihn diese Musikrichtung nicht widerspiegelt: “I played metal because I liked it. I play this music because I love it.”
Außerdem berichtet er offen über seine langjährige Beziehung zu seiner jetzigen Verlobten, über ihren Unfall bei einem seiner Auftritte und über den daraus resultierenden tragischen Verlust ihres Sohnes. Man ist ergriffen. Man ist dermaßen ergriffen … zum Einen durch die Ehrlichkeit und Offenheit dieses Mannes und zum Anderen natürlich über die Tatsache, dass diesem jungen Paar schon solche Schicksalsschläge widerfahren sind. Daraufhin spielt Wells den Song, den er seinem Song gewidmet hat, „Harbor“. Bei diesem Song ist man zurecht wie paralysiert, man spürt all die Emotionen, die Wells offenherzig auf der Bühne von sich gibt und man bekommt Tränen in die Augen als die letzten Worte und Klänge des Songs den Raum erfüllen; „but god wasn’t there that night“. Allgemein sagt Cory, habe er die meisten seiner Songs eher in emotional negativen Situationen geschrieben und komponiert. Mit viel Nostalgie und Gefühl. Am Ende gibt er dem Publikum dann auch noch einen Rat in Sachen Beziehung, indem er darauf verweist, am besten immer einmal mehr den Mund aufzumachen und seinem Partner seine Gefühle und Gedanken mitzuteilen; „talk to each other“.
Cory Wells ist also definitiv ein Künstler, der durch seine offene und ehrliche Art sehr bodenständig wirkt und das Herz am rechten Fleck trägt. Ein Künstler, der sehr gut seinen Emotionen Ausdruck verleihen kann und mit viel Leidenschaft und Gefühl bei der Sache ist. Wir würden uns freuen, ihn in Zukunft (hoffentlich) häufiger hier zu Lande zu Gesicht zu bekommen. Verfolgungswürdig!

Redaktion: Mona Riahi
Fotocredit: Jonathan Weiner

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