Hamburg, könnt Ihr uns hören?

Die Frage des Abends kann definitiv nach bestem Wissen und Gewissen mit „Ja!“ beantwortet werden. Dem Hamburger Logo wird am Samstag ein vergnüglicher Abend des deutschen Post-Punks beschert, der Marathonmann und seine beiden Vorbands lautstark akustisch wahrnehmen lässt.
Die vier Jungs aus München touren derzeit anlässlich ihres, im Juli erschienenen, vierten Studioalbums „Die Angst sitzt neben dir“ mit gleichnamigen Bühnenprogramm durch Deutschland. Im Gepäck haben sie dabei die aufstrebenden Acts The Pariah und Frau Hansen (ehemals Die Heart), welche energiegeladen in die Abendveranstaltung einleiten.

The Pariah gibt durch ein sehr gutes Zusammenspiel der Instrumente einen hervorragenden Hard-Core-Sound zum Besten, der allerdings die Texte leider etwas übertönt und so die Lyrics teilweise unverständlich macht. Nichtsdestotrotz werden die ersten Musikbegeisterten vor die Bühne gelockt, um dann im Folgenden von Frau Hansens einzigartigem Klang verwöhnt zu werden. Für die neu besetzte Band ist der Auftritt in Hamburg ein Heimspiel, welches von vielen Anhängern begeistert zelebriert wird und alle anderen Zuschauer mitnimmt in ein munteres Cross-Over aus Hardcore, Rock und Pop. Noch bevor das eigentliche Hauptkonzert anfängt, hat man das Gefühl nichts falsch gemacht zu haben.

Bevor es mit Marathonmann in die Vollen geht, gibt es als Intro Nenas „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ auf die Ohren, welches das Logo in eine 90er-Jahre-Disco-Tanz-Stimmung versetzt. Das ist ein feiner Schachzug, denn als die Musiker die Bühne betreten, ist keine Spur von anfänglicher Zurückhaltung zu spüren, sondern das Publikum ist direkt dabei. Man merkt sofort, dass die Musik von Marathonmann für die Bühne gemacht ist und die Kombination aus der rauen Stimme von Sänger Michael Lettner und den treibenden Gitarrenpassagen die Masse zum Tanzen bewegen. Nach dem dritten Lied „Wenn du dem Teufel deine Hand gibst“ wird aus dem Kreise der begeisterten Tanzwütigen gerufen „Verdammt, ist es warm!“. Die Band hat dem Logo zum Auftakt wirklich ordentlich eingeheizt, im Gegensatz zu den eisigen Temperaturen draußen. Die Titel „Nie genug“ und „Neumondnacht“, zu der das ganze Logo einmal szenisch schön hell wird, runden einen gelungenen Konzertbeginn ab. Die Stimmung ist blendend, sodass auch zu den nächsten Songs die Luftgitarre ausgepackt wird und der rockige Sound die Nackenmuskulatur der Anwesenden beansprucht.

Mit „Die Bahn“ folgt ein ruhigerer Song, der das Ende einer Beziehung und die damit verbundenen Ängste behandelt. Marathonmann zeigt, dass sie es auch durchaus verstehen mit sanften Tönen Gänsehaut zu erzeugen. Kleiner Minuspunkt macht dabei der Aufbau des Logos aus, der einige Sitzgelegenheiten ermöglicht, wodurch eher zu einem gemütlichen Gespräch animiert wird und so die Hintergrundgeräuschkulisse recht groß ist, was die Emotionalität aus dem Song nimmt. Das Publikum direkt vor der Bühne stört dies allerdings wenig, sodass sie bereits beim nächsten Lied wieder mit frenetischem Klatschen dabei sind. Zuschauer und Band profitieren so gegenseitig von ihrer Energie, die sie noch brauchen, da wir erst an der Hälfte des Abends angekommen sind.

Mit „Camera Obscura“ beweist die Band Mut ein eher unbekannteres Stück zu spielen, worauf sie nach eigenen Angaben einfach Bock hatten, losgelöst von Vorgaben ihre Lieblingssongs zu präsentieren. So spielen sie sich munter durch ihre vier Studienalben und zwei EPs, die seit der Bandgründung 2011 entstanden sind und bringen damit eine belebende Variabilität ins Konzertgeschehen ein. Leider wird diese nicht von jedem gewürdigt und der Saal leert sich zum Ende hin merklich. Trotzdem werden beiderseits noch einmal die Kräfte gebündelt und mit „Rücklauf“ das Finale eingeläutet. Es wird wieder ausgelassen, beinahe schon aggressiv, vor der Bühne getanzt und die Zeichen stehen auf Abriss. Dazu passend wird von der Band eine „Wall of Love“ initiiert. „Holzschert“ und „Schiffe versenken“ holen vor der Zugabe noch einmal alles aus dem Publikum heraus. Für die Langstrecke ist Luft dann aber raus und die Zugabe markiert trotz dem größten Hit der Münchener „Die Stadt gehört den Besten“ nicht den Höhepunkt der Abendveranstaltung. Dafür konnte man sich über ein ausgezeichnetes Konzert mit sauberem Sound und langer Spielzeit bis 23:15 Uhr freuen, das seine Stärke definitiv im Anfang fand.

Fotocredit: Pia Bohl ( Bilder aus Stuttgart ) 

Gringoz Magazine
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