Home ReviewsLive Reviews GAR NICHT SO GEHEIMER ELEKTRO-GEHEIMTIPP ZEDD AM SONNTAGABEND IN HAMBURG

GAR NICHT SO GEHEIMER ELEKTRO-GEHEIMTIPP ZEDD AM SONNTAGABEND IN HAMBURG

by Kevin

Wer dieser Tage das Radio einschaltet, kommt eigentlich gar nicht an ihm vorbei: Zedd. Der russisch-deutsche DJ und Produzent gibt sich im Rahmen seiner Europa-Tournee „Orbit“ am Sonntag die Ehre in der großen Freiheit 36 in Hamburg, neben Berlin das einzige Deutschlandkonzert. Aber wer nur entspannten, radiokonformes EDM erwartete, lag meilenweit daneben und darf sich über einen Abend der elektronischen Extraklasse freuen.

Pünktlich um 20 Uhr eröffnet zunächst das schwedische Support-Duo NOTD die Bühne. Die beiden sind in der Elektro-Szene ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt und können sich mit Hits wie „I wanna know“ und „So close“ am Ende ihres 45-minütigen Sets brüsten. In ihrer Show sind genauso Elemente des klassischen EDMs wie auch Hip Hop- und Trap-Einflüsse zu finden. Mit Live-Instrumenten, Publikumsinteraktionen und anregender Musik hat sich Zedd einen top Opener gesucht, den man gut und gerne selbst auf einer Headliner-Show sehen möchte.

In einer Viertelstunde Umbaupause wird noch einmal einiges in Sachen Licht- und Lasertechnik aufgefahren. Auch die Nebelmaschine und CO2-Kanonen werden noch einmal durchgecheckt und in Startposition gebracht; die Hansestadt darf sich auf allerhand gefasst machen! Und der darauffolgende Beginn hat es mehr als in sich: Als das Licht gedimmt wird, gibt es schon einmal einen ohrenbetäubend lauten Applaus vom sichtlich begeisterten Publikum und dann heißt es Brillen, Perücken oder andere lose Gegenstände festhalten, denn der Bass fetzt alles weg. Das fette Intro zum Thema Space aus Bass und Licht lässt die Freiheit erzittern und bringt den eigenen Körper zum Vibrieren. Als Zedd dann die Bühne betritt gibt es nur noch eine Verständigung zwischen Künstler und Crowd, die zum Bass spingt und im Begriff ist sich von der Musik treiben zu lassen. Dieser Beginn könnte energiegeladener nicht sein. Fast schon brachial wird in einen intergalaktischen Abend gestartet.
Dieser wird wesentlich von zwei Dingen geprägt: zum einen einer unheimlich gelungenen wuchtigen Kombination aus Beat und Licht sowie immer wieder eingestreuten technisch anspruchsvollen Elektro-Passagen, die die Herzen der Fans höher schlagen lassen. Zedd bedient sich dabei sowohl seiner eigenen Songs als auch Remixes anderer Hits, die er gekonnt in seinen Flow einarbeitet und als geschickte Überleitungen nutzt. Dazu gehören unter anderem ACDCs „Thunderstruck“, Daft Punks „One more time“, „The Time (Dirty Bit) von den Black Eyed Peas oder natürlich das immerwährende „Döp döp döp“ aus Scooters „Maria (I like it loud)“, um nur einige Beispiele zu nennen.

Beim Publikum kommt diese Mischung ausgezeichnet an, sodass es keine Minute gibt, in der sich niemand bewegt. Zedd versteht es mit seinen Remix-Küsten qualitativ hochwertig jedes Untergenre anzusprechen und tanzbar zu verpacken. Die Zuhörer springen mit beiden Armen in der Luft und strahlen eine enorme Energie dabei aus. Getrieben wird es von Zedds Anfeuerrufen und oftmals einem peitschenden Beat, der einen einfach mitreißt. Obwohl man zwischendurch beinahe an der überwältigenden Lichtshow mit wohldosiertem Einsatz des Stroboskops erblindet und vom kraftvollen Bass gefordert wird, gibt es genau so lockere Mitsingparts, etwa zu „Beautiful You“ oder „Break Free“. Die Stimmung ist allseits gut und lädt zum unbeschwerten Mitfeiern und Tanzen durch den Sonntagabend ein. Von Zedd, der dieses Jahr Platz 50 der 100 besten DJs belegt, geht eine ungeheure Energie aus, der sich niemand im Saal entziehen kann. Untermalt wird dies von der häufigen Kombination aus Licht und Bass, die wie Paukenschläge auf das Publikum niederprasseln.

Das aufsehenerregende Ende der Performance inklusive Zugabe steigert dieses Erlebnis noch einmal exorbitant. Dabei geht es in erster Linie um seine größten Hits, die alle in den USA mindestens Platin-Status erreicht haben, wenn nicht sogar Doppelplatin. Das wird auch von seinen Fans hierzulande anerkannt, die Schilder mit der Aufschrift „The GOAT (Anmerkung der Redaktion: Greatest of all time) of EDM ZEDD“ gebastelt haben. Die aktuelle Single „Good Thing“ kommt dann zum Abschluss noch einmal mit wuchtigem Sound und intensiver Lichtshow daher, bevor es kurz dunkel und leise wird. Vor technischen Aussetzern bleibt auch ein Megastar nicht ganz gefeit. Das Problem ist schnell behoben und man kann rückblickend auf einen Elektro-Abend der Superlative zurückschauen.

Fotocredit: Kevin Randy Emmers @Gringoz Magazine

You may also like

Cookies erleichtern die Bereitstellung einiger Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Alles klar! Mehr dazu

Privacy & Cookies Policy