Künstler: Enno Bunger
VÖ: 26.07.2019
Label: Columbia/Sony Music

Seit 2011 hat Enno Bunger nun vier Alben veröffentlicht, die sein Talent sowie Gespür für große Texte mit harmonischer musikalischer Untermalung belegen. Auf seinem neuen Album „Was berührt, das bleibt“ singt der Ostfriese über Liebe, Trauer, Tod, Freundschaft und davon, niemals die Hoffnung aufzugeben. Einfühlsam thematisiert er Schicksalsschläge wie die Krebsdiagnose seiner Freundin in „Stark sein“ oder vertont mit „Ponyhof“ die Hochzeitsrede an seinen besten Freund Nils und seiner Lena. Die Frau seines Schlagzeugers hat in der Zwischenzeit den Kampf gegen die Leukämie verloren, aber Enno Bunger widmet ihr mit „Konfetti“ einen wunderschönen Nachruf, der erahnen lässt, welch tiefe Freundschaft die beiden verbunden haben muss. Dabei sind es die leisen Töne, die die größte Wirkung entfalten. Schwer verdaulich kommen „Glaube an die Welt“ und „Wofür“ daher, die die ganze Existenz infrage stellen. Zunächst setzt Enno Bunger noch auf pompöse Popsongs, wie in „Bucketlist“ und „Kalifornien“, bis gegen Ende der Platte die Musik in den Hintergrund rückt und nur noch ganz minimalistisch Stimme und leise, zurückhaltende Klaviermelodien zu hören sind. Bunger bewegt sich auch aus seiner Komfortzone und wagt sich sogar erfolgreich an kleine Rappassagen, die ihn nun endgültig vom Klischee des deutschen Songpoetens freisprechen. Im Interview verrät er, dass „Bucketlist“ und „Kalifornien“ eigentlich das Ende der Katharsis sind, die es zu bestehen gilt und dennoch kann man Was berührt, das bleibt wie ein perpetuum mobile hören, denn das Leben ist ein Fluss. Mit Stromschnellen und seichtem Gewässer, mit Strudeln und Badestränden. Ennos Songwriting ist im Vergleich zu seinen letzten Alben nochmals feinsinniger und akzentuierter geworden. Selten treffen Texte und Musik so direkt ins Herz und die Seele der Hörer, wie hier. Mit Was berührt, das bleibt ist Enno Bunger ein vielschichtiges, wunderschönes Album gelungen, das bereits im Juli die Latte für das Album des Jahres ganz hochsetzt.

 

Redaktion: Désirée Pezzetta

Gringoz Magazine
Gringoz Magazine

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner