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AIRBEAT ONE 2019– RAIN OR SHINE ?

by Kevin

„Bye bye Airs“, dieser Gedanke dürfte so oder so ähnlich fast jedem Festivalbesucher der 18. Ausgabe des umjubelten Airbeat One Festivals in Neustadt- Glewe gekommen sein. Das norddeutsche Electro-Festival hat dieses Wochenende im Wetter-Roulette leider verloren und so verabschieden wir uns auch bei unserer Ankunft auf dem Airfield-Gelände gedanklich von unseren Turnschuhen und sauberen Klamotten. Das mehr als hochwertige Line-Up macht diesen Umstand aber absolut wett und so werden die nassen Füße direkt wieder warm getanzt.

Der Start ins Festivalgeschehen erfolgt für uns arbeitsbedingt (ja, ja, das nervige Erwachsenenleben…) erst am Freitag, sodass wir den Highlight-Donnerstag leider verpassten. Aus der Social Media Welt und Veranstalterangaben kann man sich aber eine mega Party um Armin Van Buuren, Don Diablo, Oliver Heldens, DJ Snake und Netsky b2b Jauz b2b Slushii ausmalen.

Am Freitag gilt dann der erste Eindruck einzig und allein der Mainstage. In 140m Breite und 40m Höhe haben die Veranstalter monumental gemäß dem diesjährigen Thema Indien das Taj Mahal verewigt. Gespickt mit unzähligen Licht-, Laser- und Pyroeffekten ist die Bühne ein echter Blickfang und wirklich eines Weltwunders würdig Das Motto wird konsequent auf allen Bühnen und dem gesamten Gelände umgesetzt und selbst die vom niederländischen Label gehostete Q-Dance Stage passt mit der „Princess of Warrior“ wunderbar ins Bild.

Von der imposanten Hauptbühne, die unter anderem von niemand geringerem als Alan Walker, Vini Vici, KSHMIR, Alesso, Martin Garrix und Dimitri Vegas & Like Mike bespielt wurde, lenkte eine enorme Schlammschlacht ab. Es hat sich ein großes Schlammloch gebildet, was vor allem von den flankierenden VIP-Tribünen zu beobachten ist. Darin suhlen sich mehr als 30 vor Freude strahlende Menschen, bewerfen sich mit Matsch und werden noch einmal richtig zum Kind. Die Freiheit, die dieser Szene innewohnt, lässt Alan Walker derweil fast zur Nebensächlichkeit werden. Trotzdem lässt die Musik in Kombination mit diesem Schauspiel den Moment unvergesslich werden und zaubert allen Beteiligten ein Lächeln ins Gesicht.

Mit guter Laune ging es dann auch auf einen Spaziergang übers Gelände. Dies erinnert mit zahlreichen Fahr- und Essensgeschäften teilweise mehr an einen Rummel als an ein Festival. In der Chill Area neben der Second Stage kann man sich entspannt in einer Hängematte vom stressigen Festivalleben erholen, damit man fit ist für das Abtanzen bis in die Morgenstunden. Unterhalten wird man zudem von verzaubernden Walking Acts oder kreativen Kostümen anderer Festivalgänger. Einzig das Cashless-payment-System erwies sich am Freitag als Schwachstelle, da WLAN-Probleme dafür sorgen, dass sich der im Armband integrierte Chip nicht ordnungsgemäß per Karte aufladen lässt. Dafür funktioniert der Bass der DJs umso besser und bringt selbst die Ordnungshüter dazu, im Takt mitzunicken, aus deren Sicht das Festival auch ohne größere Zwischenfälle verläuft.

Der Samstag kommt zwar erst einmal mit Wolkenlücken daher, sodass vereinzelt die Sonne gastiert, wird aber durch die Absage von Steve Aoki aus persönlichen Gründen zunächst getrübt. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft, da bereits Afrojack im Vorfeld durch Don Diablo ersetzt wurde und die Herren Matan Kadosh von Vini Vici und Sunnery James von Sunnery James & Ryan Marciano solo der Crowd gegenübertreten. Psyko Punkz hat es wiederum gerade noch rechtzeitig zu seinem Auftritt geschafft, nachdem sein Audi auf der Autobahn in Flammen aufging. Auf diese Ausfälle reagiert die Airbeat-Führung tadellos mit Timetable-Anpassungen und der spontanen Ankündigung eines Überraschungsgastes, der sich später als Steve Angello herausstellen sollte und Sebastian Ingrosso bei seinem Auftritt unterstützte.

Unangekündigt noch einmal 2/3 der Swedish House Mafia auf die Bühne zu stellen unterstreicht die gewaltigen Dimensionen des Line-Ups. In vier Tagen legen in Mecklenburg-Vorpommern mehr als ein Drittel (34, um genau zu sein) der aktuellen Top 100 DJs der Welt auf, mit Martin Garrix und Dimitri Vegas & Like Mike die Top 1 und Top 2 direkt hintereinander. Diese geballte Masse an Top Acts kann eigentlich nichts einen Strich durch die Rechnung machen- bis auf den norddeutschen Sommer, der sich mal wieder von seiner besten Seite zeigt.

Neelix und Martin Solveig & Jax Jones dürfen noch einzelne Wolkenlücken genießen, bevor dann gegen 20:30 Uhr der Regen einsetzt und an diesem Tag auch nicht mehr aufhören will. Der nächste Auftritt um Danny Avila auf der Hauptbühne wie geplant statt, während der Himmel seine Schleusen weiter öffnet und das komplette Festival-Gelände in ein Pfützen- und Matschparadies verwandelt. Die hartgesottenen Festivalgänger beeindruckt dies allerdings herzlich wenig und so wird einfach im Regen weiter gefeiert. Für alle, die ihre Nikes doch noch nicht ganz aufgegeben haben, heizt Ofenbach im Zirkuszelt der Terminal Stage der Menge richtig ein.

Kurz bevor Ingrosso x Angello wetterbedingt dann mit mehr als 30 Minuten Verzögerung starten wollen, sieht die Mainstage allerdings wie leer gefegt aus, sodass von den Rekordbesucherzahlen kurzzeitig nicht viel zu merken ist. Gut ding will Weile haben und so füllt sich der Zuschauerraum für die letzten Acts The Chainsmokers und Timmy Trumpet beständig, sodass die verbliebende Festivalmeute feinste elektronische Klänge geliefert bekommt und zum Ende hin ekstatisch feiert.

Insgesamt kann sich das Festival bei 195.000 Besuchern aus 80 Ländern der Welt an allen vier Tagen bedanken, die über 200 Acts besuchen konnten. Im nächsten Jahr findet das über die Grenzen Deutschlands bekannte Electro-Festival vom 08.-12. Juli wieder auf gewohnten Platz statt, Vorverkaufsstart ist der 01. August 2019. Besonderes Leckerli ist, dass Steve Aoki bereits via Social Media fest seine Zusage für nächstes Jahr erteilt hat, um den diesjährigen Ausfall zu kompensieren. So oder so sind wir gerne wieder mit von der Partie, wenn es heißt „Hey Ho, Neustadt-Glewe“. Natürlich mit neuen Sneakern.

Fotocredit: Kevin Randy Höfer
Review: Jacky Dürkop & Kevin Randy Höfer

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