„It’s gettin‘ hot in here, so take off all your clothes!“ Bei knapp 40 Grad wurde vom 28. – 30. Juni zum 26. Mal das nun neu und unter anderem Namen ausgerichtete Full Force Festival gefeiert, zum mittlerweile 3. Mal schon in Gräfenhainichen. Lediglich die Präposition „With“ musste unter den Fittichen der neuen Veranstalter (Goodlive, Melt! Festival) im traditionellen Namen weichen, doch das Line Up mit 57 Bands lockte auch dieses Jahr wiederum an die 16.000 Metal-Fans in die Metropole. Neben den Wiederholungstätern Parkway Drive, konnten die Veranstalter auch die Deathmetal-Legende Arch Enemy und die Nu-Metaler von Limp Bizkit als Headliner gewinnen. Wie die Veränderungen in der „Stadt aus Eisen“ bei strahlendem Sonnenschein zu spüren waren und wie die anderen hervorragenden Live-Acts beim Publikum ankamen, erfahrt ihr hier in unsrem exklusiven Festivalbericht.

Gut umsorgt und schön angerichtet

Auch in diesem Jahr werden die Festivalbesucher mit allerhand kulinarischen Leckerrein und verschiedensten Getränken versorgt. Zahlreiche kostenlose Trinkwasser-Auffüllstationen retten so manchen bei der sommerlichen Hitze wortwörtlich den Tag und auch Sprenkelanlagen wurden installiert, um die Besucher bei drohender Überhitzung abkühlen zu lassen. Genauso wie das neue Konzept rund um die Medusa Stage, die sich in unmittelbarer Nähe des angrenzenden Gremminer Sees befand. Perfekte Voraussetzungen also für einen entspannten und kühlen Tag am Strand mit gleichzeitiger Musikbeschallung. Und auch der heiß geliebte Erdbeerbowle-Stand ist nicht weit entfernt! Die nachts schön beleuchteten und feuerspuckenden Bagger konnten tagsüber Schatten spenden und boten ein Plätzchen zum gemütlichen Snacken in der heißen Mittagssonne.

Die Veranstalter haben sich im Allgemeinen ein neues Bühnenkonzept überlegt und sich bei der Gestaltung der Hauptbühne (Mad Max) an die des Melt! Festivals orientiert. Diese ist 2019 viel breiter und zentral positioniert, um möglichst vielen Zuschauern bei den Headlinern Platz zu bieten. Die Hardbowl Stage befindet sich nun nicht mehr direkt neben der Hauptbühne, sondern wurde oberhalb der Stufen des Amphitheaters als stabiles weißes Partyzelt installiert, das aber eine ganz besondere Club-Atmosphäre schaffte. Teilweise war es darunter aber doch recht stickig, da es nur zu zwei Seiten geöffnet war und sich die Hitze somit unter dem Zeltdach staute. Ebenfalls stauten sich die Menschenmassen unter dem demnach doch recht kleinen Zelt. Die oben bereits erwähnte Medusa Stage fand am Ufer des Sandstrandes ihren neuen Platz und wurde von den Besuchern durch die Nähe zum Wasser mit Freunden entgegen genommen.

Auch der Campingplatz erstrahlte im teilweise neuen Ambiente. Mit „Fairopolis“ und anderen Aktionen wurden erste Zeichen zum Thema Nachhaltigkeit und im respektvollen Umgang miteinander gesetzt, die aber durchaus noch Potential nach oben haben. Merchandise wurde wieder in großer Vielfalt verkauft und auch Organisationen wie „The Ocean In Your Mind“, die sich um Menschen mit Depressionen kümmert, siedelten sich an den Rändern der Zeltbereiche an. Auch die morgendlichen Aktivitäten wie das (schwarze) Yoga oder das Kneipenquiz fand bei den Festivalfans großen Anklang. Einzig und allein der lange Weg von den Campingplätzen zum Festivalgelände bleibt ausbaufähig, denn der Bustransfer lässt für Viele zu wünschen übrig. Dann schnappt man sich doch lieber gleich zwei Wegbiere und lässt sich die ab und an auftretende frische Brise um die Ohren wehen, anstatt bei der drückenden und stickigen Hitze im Bus einzugehen.

Und das Programm?

Das Bühnenkonzept sorgte in diesem Jahr dazu, dass man sich ausgesprochen viele Band nacheinander anschauen konnte, da sich nur zwei der drei Bühnen einen Timeslot teilten. Über die Einteilung zu den jeweiligen Bühnen lässt sich spätestens nach dem Auftritt von Amenra am Strand streiten, da das Ganze durch die plantschenden Zuschauer eher deplatziert wirkte. Wohingegen Animals As Leaders oder Alcest und The Ocean mit ihren ausufernden Instrumentalpassagen zur langsam untergehenden Sonne ein sehr schönes Ambiente abgaben. Andere Auftritten fanden dann wiederum in der prallen Sonne und auf dem glühenden Asphalt vor der Mad Max statt. Während At The Gates und Lamb Of God vor erstaunlich wenig Leuten spielten, waren die Auftritte von While She Sleeps oder Whitechapel gut besucht.
Der Auftritt des Headliners Limp Bizkit wurde eher verhalten aufgenommen, aber ansonsten standen für die breite Masse allerhand Highlights aus dem Metalcore-Bereich auf dem Programm wie z.B. Any Given Day, Bury Tomorrow oder Beartooth. Die ukrainischen Newcomer von Jinjer bringen das Zelt am Samstag an seine Kapazitätsgrenze und auch Batushka setzten bereits am ersten Abend im Hardbowl mit ihrer orthodoxen Okkultshow Maßstäbe. Im Kontrast dazu stand dann wiederum die Spaß-Band Knorkator auf der Hauptbühne und setzte vielen Besuchern ein Lächeln ins Gesicht. Und auch der Sonntag hatte es dann nochmal mit einigen angesagten Hardcoreacts wie Cane Hill, Harms Way und Turnstile in sich, die die Hardbowl Stage schön zerlegten.

Dieses Jahr konnten sich wieder einige der Bands auf die sagenumwobene Pyrotechnik am Standort verlassen. Behemoth, Arch Enemy und auch Parkway Drive machten bei ihren heißen Auftritten davon Gebrauch, was natürlich mit strahlenden Augen und glücklichen Gesichtern von den Zuschauern begrüßt wurde.

Wir freuen uns auf ein noch fetteres Full Force 2020 mit vielen frischen Bands und ein paar kleineren Verbesserungen an der Organisation! Der Vorverkauf startet am 2. September, also haltet Euch ran!

Redaktion: Mona Riahi

Gringoz Magazine
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