Es gibt sie noch, diese kleinen, selbstorganisierten Touren in kleinsten Clubs, mit liebevoller Deko und publikumsnahen Bands. So ein Abend erwartet heute die Zuschauer im Fürther Kunstkeller O27. Muncie Girls, die DIY Punks aus Exeter, werden neben den Nürnbergern Houseparty und den Blankets aus Münster die Bühne entern.

Der Kunstkeller ist geschmückt mit Planeten, die von der Decke hängen, Goldfolie und einem großen Backdrop der Muncie Girls.  Das ist aber tatsächlich eine Sache, für die sich die Nürnberger DIY -Szene selbst auf die Schulter klopfen darf, denn wer noch die Homies&Spasten Zeiten miterlebt hat weiß, dass Mottoparties nicht nur was für alternde Hausfrauen in Sektlaune, sondern auch für bierhungrige Punks Anfang 20 sind. Unvergessen noch immer  „2COOL4SKOOL – Die wilde Punk-Party für alle crazy Schulschwänzer“ im Coalclub, bei der die Muncie Girls 2015 auch mit am Start waren. Man kennt sich also bereits seit vielen Jahren.

 

Den Anfang des Abends machen Blankets. Das Trio stimmt das Publikum mit leichtem Softpunk gut auf den Abend ein und erntet dafür ordentlich Applaus.

 

Lokalmatadore von Houseparty rocken das O27

Bei Houseparty steigt das Stimmungsbarometer dann schlagartig. Kein Wunder, die Mitglieder sind alles andere als Unbekannte in der Metropolregion. Sänger und Gitarrist Reverend Reefer und Gitarrist Chris Panda sind, neben ihren erfolgreichen Soloprojekten, außerdem auch an Bord der fränkischen Supergroup von Folk’s Worst Nightmare. Simi High am Bass und Domi Daiquiri an den Drums sind ebenfalls Koryphäen der Nürnberger DIY Punkszene. Dementsprechend routiniert und lässig rocken die fantastischen Vier den Kunstkeller und heizen dem Publikum kräftig ein. Ihr spaßiger Surfer-Punkrock, der perfekt das Gefühl unbeschwerter Sommer einfängt, bringt auch den letzten Tanzmuffel dazu, seinen Booty zu shaken. Von der Band, die bei Raptor Records beheimatet ist, wird man zukünftig hoffentlich noch viel mehr hören.

 

Muncie Girls verzaubern das Publikum

 

Endlich betreten die heißerwarteten Muncie Girls aus Exeter die Bühne. Das Trio hat sich für ihre Liveshows Verstärkung am Bass geholt, eigentlich Sängerin Lande’s Revier, die jetzt aber Gitarrist Dean am Sechssaiter unterstützt. Das schadet dem Klangbild in keinster Weise, im Gegenteil. Vom satteren Sound profitiert die ganze Band. Lande, charmant wie immer, wird nicht müde, sich beim Publikum für das zahlreiche Erscheinen zu bedanken und auch dem Kunstkeller und den anderen Bands ihre Credits zu gönnen. Das ist er halt, der Spirit, den man bei anderen Bands dieser Kategorie schmerzlich vermisst. Be cool, be Lande! Auch musikalisch sind die Vier gut drauf und aufgestellt. Neben Songs ihres Debütalbums From Caplan to Belsize liegt der Fokus aber vor Allem auf den neuen Tracks des zweiten, unfassbar guten Albums Fixed Ideals. Die eindeutigen Hits des Albums, Picture of health und Clinic, kommen live noch viel besser rüber, als auf der Platte. Überhaupt sind Muncie Girls eine Band, die auf der Bühne eben immer noch mal ein Quäntchen draufpackt. Das, zusammen mit dem jugendlichen Charme und englischer Höflichkeit ergibt eine Sympathiewolke, der sich keiner entziehen kann. Niemand im Publikum geht ohne versonnenes Grinsen aus diesem Konzert und das ist doch das Besondere an diesen kleinen, familiären Gigs. Gerne mehr davon, gerne öfters, auch nach dem Brexit. Die Muncie Girls sind immer eine Reise Wert- zur Not dann eben in UK!

 

Redaktion & Foto: Désirée Pezzetta

 

Gringoz Magazine
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