Kurz vor Halloween rappelt es nochmal im Erlanger E-Werk. Killing Joke, die britischen Post Punks von der Insel, bitten zum Tanz. Der große Saal ist leider nicht annähernd ausverkauft, oder vielleicht verschwindet das Publikum auch im einheitlichen Schwarz. Eventuell dachten auch viele Fans, dass 1982 bereits die Welt untergegangen ist. Davon war Sänger Jaz Coleman seinerzeit nämlich felsenfest überzeugt. 36 Jahre später dreht sich die Erde immer noch, wobei der Patchouligeruch im Publikum einem schon den Atem rauben kann. Aber das gehört eben zum guten Ton bei einem Konzert, das als Anheizermucke den gesamten Grufti-Backkatalog rauf und runter spielt. Noch während man in Erinnerungen schwelgend zum Dreischritt ansetzen will, betritt das erste Highlight des Abends die Bühne: Turbowolf.

 

Turbowolf heizen der Menge ein

Turbowolf sind eine PsychedelicElectroHeavyRocknRoll Band aus Bristol und sehr laut. Das Barteam hat Mühe, die kostenlosen Ohrstöpsel nachzufüllen. Schade, dass man dadurch Einbußen beim Sound in Kauf nehmen muss, aber taub aus dem Konzert gehen ist ja auch keine Option. Die Jungs, heute ohne Bassgitarre, liefern aber ab und Sänger Chris Georgiadis gewinnt das Publikum mit seiner charismatischen Art schnell für sich. Ihr musikalischer Mix passt erstaunlich gut zu Killing Joke und macht Lust auf eine Headliner Tour der Kapelle. Anspieltipp für Neulinge: Let’s die

Besonders hervorzuheben ist, dass sich Georgiadis nicht zu schade ist, nach dem Konzert vor der Halle kostenlos Sticker zu verteilen und Smalltalk mit den Fans zu halten. Eine wirklich sympathische Truppe.

 

Kultband spielt 100 Minuten

Um 21:00 betreten die Altmeister dann die Bühne und eröffnen den Abend mit ihrem wohl größten Hit Love like Blood. Und warum? Weil sie können. Im 100minuten langen Set lassen sie keinen Hit aus. Eighties, die Kulthymne von der Nirvana nachweislich ihr Riff zu Come as you are geklaut haben, Wardance, Follow the Leader, The Death & Resurrection Show und natürlich S.O. 36, nach dem Berliner Punkschuppen benannt oder vielleicht auch nur nach der Postleitzahl in Kreuzberg- man weiß es nicht. Laut und brachial Hämmern Killing Joke auf das Publikum ein und gönnen den Fans kaum eine Pause.

 

Brachial und kompromisslos

Killing Joke haben in ihrer fast 40jährigen Karriere nichts verlernt. Große Gesten auf minimalistischem Bühnenbild, eine düstere Aura und musikalische Glanzleistung bestimmen den Abend. Das dankbare Publikum versinkt im Sog der Band, bewegt mantraartig die Körper und ergibt sich ganz dem Klang der Musik. Man erwartet jederzeit einen Vampir aus Lost Boys aus einer Ecke des Saales auftauchen, der das Publikum aussaugt. Aber auch Jaz ist angsteinflößend, wie er die Augen aufreißt und die Zähne fletscht, als wolle er dem Leibhaftigen zeigen, wo der Hammer hängt. Damit der Teufel auch weiß, in wem er seinen Meister gefunden hat, trägt Coleman einen schwarzen Overall mit seinem Namen. Er ist eine wirklich bedrohliche Version von Alice Cooper. Seine Ansagen zwischen den Songs hingegen sind geladen von Verschwörungstheorien, bei denen man nicht genau weiß, ob sie Teil der Show oder Herrn Coleman’s Überzeugung sind. Ist auch egal, die Welt geht eh bald unter- jedoch nicht heute! Heute wird gefeiert, mit angestrengter Mine zwar, zuviel Lachen ist verboten, aber abgerissen wird trotzdem.

Redaktion: Désirée Pezzetta

Fotocredits: Tom Barnes

Gringoz Magazine
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