12 Jahre sind vergangen, seit die Fratellis mit Costello Music ihren europaweiten Durchbruch feierten. The Fratellis, eine Band, deren größter Hit die Tormelodie von Juventus Turin und dem 1. FC Nürnberg ist. Dieser hört auf den Namen Chelsea Dagger und ist die ultimative Geheimwaffe eines jeden Indiedisko DJs. Haben die Pixies die Stimmung verdorben? Chelsea Dagger! Hängen die Erstsemester ob zuviel Vodka-Kirsch in der Ecke? Chelsea Dagger! Es wäre natürlich gemein, die Band um Frontmann Jon Fratelli nur auf einen Song zu beschränken. Da gibt es auch noch Baby Fratelli, Henrietta oder Whistle for the choir. Ganz ehrlich? Die Fratellis stehen für Indie wie kaum eine andere Band. Diese unbeschwerte Art von Indierock, ohne viel Schnickschnack und mit gerade genug Tiefgang, um nicht Mainstream zu sein, aber befreit von der unheilgeschwängerten Trauerkloß-Indieparallelgesellschaft, die für Emo zu alt und für Gothic zu fröhlich ist.

Nun, ebendiese Fratellis, die schon zu ihren Anfangszeiten im eigentlichen Sinne eine Antithese zum Zeitgeist gewesen sind, spielen heute im seit Monaten ausverkauften Bi Nuu in Berlin. Der Altersdurchschnitt ist tatsächlich jünger, als man erwarten könnte. Schon bei der Vorband Mona ist die Stimmung in dem Laden am Schlesi positiv aufgeladen. Das Publikum hat Bock.

Als die Fratellis dann die Bühne betreten, gibt es kein Halten mehr. Wie mit einer Zeitkapsel direkt aus den Nuller Jahren in den Club gereist steht Jon Fratelli da, äußerlich kaum gealtert, immer noch das bubenhafte, versonnene Lächeln auf den Lippen. Dem Rest der Band sieht man schon eher die zwölf vergangenen Jahre an, aber graue Schläfen haben ja noch keinem geschadet. Der Sound ist wirklich gut an diesem Abend und die Band zeigt, dass sie mehr kann als 3-Akkord-Indie-Mucke.

Obschon der Großteil des Abends erwartungsgemäß eine Hommage an ihren größten Albumerfolg Costello Music ist, schafft es die Band, doch ein paar Songs ihres neuen Albums In your own sweet time in das Set hineinzuschmuggeln. Augenscheinlich hat ein Großteil der Besucher den Longplayer aber noch nicht gehört, was sich auch in der verminderten Bewegung im Saal widerspiegelt. Natürlich spielen die Fratellis alle Hits, die die Fans in Berlin absolut abfeiern. Jon Fratelli lächelt dabei stoisch vor sich hin… ob er gerade so tief in seiner Musik versunken, oder über das Catering nachdenkt- man weiß es nicht. Auch das Düdeldüp bei Chelsea Dagger überlässt die Band gerne dem Publikum, das den Brocken dankbar annimmt und das Bi Nuu in eine homogen hüpfende Masse verwandelt.  Fakt ist und bleibt: Die Fratellis liefern ab, wenngleich ein wenig mehr Interaktion mit dem Publikum wünschenswert gewesen wäre. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und dieses dennoch ein Highlight für alle Indierocker. Und bis wir die Briten wieder live bewundern dürfen, gehen wir halt auf ein Heimspiel von Juventus oder dem Club, je nach Liga und Geldbeutel.

 

Fotocredits: Adina Scharfenberg

Redaktion: Désirée Pezzetta

Gringoz Magazine
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