Ein musikalischer Umschwung ist immer schwer zu beurteilen. Wo die einen den totalen Ausverkauf der Band vorwerfen, sind Zusprüche zu mehr Mut und Kreativität auf der anderen Seite fast schon Standard, aber eines ist sicher: Fans kommen und gehen mit so einem Schritt. Wenn es jedoch der Band hilft, sich in ihrer aktuellen Lebenssituation besser mit dem Sound, den sie spielen, zu identifizieren, muss selbst der eingefleischteste Fan diesen Schritt akzeptieren.

So, und jetzt nehmen wir mal das neuste Werk von The Amity Affliction auseinander, denn das ging dann leider doch etwas nach hinten los. Zwar ist Misery kein Totalschaden, verlangt aber auf großer Strecke mehr Fanliebe, als Begeisterung – ihr müsst jetzt ganz stark sein. Wo der sehr gesunde Mix zwischen Pop/Rock und Metalcore auf dem Vorgänger This Could Be Heartbreak noch sehr gut funktionierte, drücken The Amity Affliction auf der aktuellen Platte voll auf die Tube und fahren geradewegs Richtung Synthesizer Sound à la That´s The Spirit von Bring Me The Horizon. Der Unterschied ist leider nur, dass es eben jenes Album bereits gibt und im Jahre 2018 nicht unbedingt neu erfunden werden muss. Wobei neu erfinden hierbei noch fast nett daher kommt. Abgesehen von der ziemlich identischen musikalischen Formel klingt die Hälfte der Tracklist identisch und nach den ersten drei Hörgängen fällt es uns verdammt schwer von den eher irrelevanteren Songs die Namen zu behalten bzw. zu erkennen.

Was fast schon skurril an Misery ist, ist die Tatsache, dass die Songs zum Ende hin incl. Bonustrack deutlich an fahrt aufnehmen und Fans wahrscheinlich eher gefallen werden, als der Opener samt Songs wie D.I.E, Misery, Burn Alive (der Name ist halt Programm) oder  Drag The Lake, denn technisch ist die Platte von vorne bis hinten super Produziert und würde als Debüt wirklich gut funktionieren. Von Songwritern, welche hier ihr sechstes Werk schreiben und die eventuelle vierte Nummer 1 Platte in Folge veröffentlichen, erwarten wir jedoch etwas mehr Tiefe.

Misery wird ganz sicher seine Hörer finden und wie gewohnt einschlagen, jedoch würden wir uns wünschen, dass bei der nächsten LP wieder etwas mehr TAA zu hören ist.

Alex Hoppen
Alex Hoppen

Denkt er wäre der Administrator, fährt Smart, mag Enten, Guitar-Hero-Profi, putzt Bier mit Zähnen – oder umgekehrt?, cheated bei Pokémon Go, speifrei seit 2014, Erste-Reihe-Milchtrinker aus Überzeugung und liebt Katzenbilder.