Die Schauspielerei alleine scheint einigen Filmstars nicht zu reichen, um sich kreativ auszuleben. Jared Leto hat 30STM, Johnny Depp die Hollywood Vampires, Kevin Bacon die Bacon Brothers und Kiefer Sutherland hat Kiefer Sutherland. Der, vor allem durch seine Rolle als Jack Bauer bekannte, Sohn von Donald Sutherland macht jetzt Country Rock und das sogar recht gut.

An diesem Abend warten die Besucher im brechend vollen Nürnberger Hirsch also auf den Country Newcomer Sutherland. Ob wohl bei einem anderen Country Newcomer so viele Karten verkauft worden wären? Wahrscheinlich nicht, aber einen Hauch von Hollywood in der Frankenmetropole, das ist schon was Besonderes.

Kiefer erscheint mit Cowboyhut, Westerngitarre und Leo-Jacket. Darunter trägt er ein weißes, figurbetontes Hemd, das er im Verlauf des Abends hochkrempelt, so dass man seine Tattoos sehen kann. So schafft man Arbeitsplätze für Maskenbildner.

Sutherland spult die ganze Riege an Rockstar Posen ab. Gitarre hochreißen, mit dem Schlussakkord springen, Rücken an Rücken mit seinen Mitmusikern spielen, auf dem Boden kniend Akkorde schmettern und dabei mächtig cool aussehen. Es ist schon alles sehr einstudiert. Jede Ansage, jede Bewegung- durchgetaktet und Teil des Programms. Kiefer ist ein hervorragender Schauspieler, aber zum Musiker braucht es mehr als Posen, Tattoos und eine Gitarre.

Apropos Gitarre. Die des Protagonisten ist auffällig leise gedreht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ansonsten gibt es am Sound wenig auszusetzen. Der FOH macht einen guten Job, die Band ist eingespielt und bringt metaphorisch diese eine kleine Country Spelunke in den Hirsch. Die Songs haben verheißungsvolle sowie klischeehafte Namen wie Tonight the bottle let me down, A faded pair of blue Jeans oder Blame it on your heart. Natürlich werden auch die Stars der Szene erwähnt und bedeutungsschwanger gen Himmel geblickt, weil das ist Kiefer’s „way to say hello“. Allerdings Dylan’s Knocking on heaven’s door, auf Country-Art mittelmäßig zu covern, das ist mutig und überflüssig, kommt beim gesetzten Publikum aber erstaunlich gut an.

 

Kiefer Sutherland und Band sind – ohne Zweifel – rein musikalisch betrachtet durchaus ernstzunehmen, liefern eine ordentliche, kurzweilige Show und überzeugen mit handgemachtem Country, sollten sich aber dennoch spontaner und impulsiver präsentieren.

 

 

Gringoz Magazine
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