Wie schaffen es Avatar nur, diesen Seiltanz erfolgreich zu bewältigen? Nonstop Touren, stetig wachsende Konzerthallen und dann funktioniert der eigene Staat, der der Menschheit erst letztes Jahr durch ihr neuestes Album vorgestellt wurde, auch noch so gut. Avatar Country heißt das gelobte Land, das unter der Herrschaft von König Jonas mit vielerlei Mythen gespickt ist. Wir haben uns mit Frontmann Johannes mal zusammengesetzt und etwas hinter die Mauern dieses Landes geschaut und natürlich auch einen Blick in die Zukunft gewagt.

GRINGOZ: Eigentlich fragen wir zuerst, wie es jemandem so geht, aber: Du hast da einen verdammt coolen Stock!

JOHANNES: Danke – dieser Stock ist tatsächlich einzigartig, da er nicht mehr hergestellt wird. Den ersten habe ich kaputtgeschlagen, den zweiten hab ich im Flugzeug vergessen und den dritten habe ich jetzt von einem Fan gekauft, weil diese Stöcke von der eigentlichen Firma nicht mehr hergestellt werden.

GRINGOZ: Interessant – jetzt möchten wir natürlich aber auch wissen, wie es euch geht. Ihr seid ja schon eine ordentliche Weile auf Tour.

JOHANNES: Das ist sogar unsere vierte Tour in diesem Jahr. Erst waren wir in den USA, dann in Europa, anschließend mit kurzer Pause wieder in den USA und hier sind wir wieder. Da dieses Tourleben aber so intensiv war, fühlen sich die drei Wochen Pause, die wir hatten, wie eine Reunion an, wenn wir heute Abend wieder auf der Bühne stehen. Vor dieser Festivaltour haben wir an 60 von 120 Tagen auf der Bühne gestanden.

GRINGOZ: Und das alles nicht nur aus Spaß, sondern ihr habt ja ordentlich Werbung für euer eigenes Land gemacht oder? Wie kam es überhaupt zu der Idee, das letzte Album (Avatar Country) dem eigens benannten Staat zu widmen?

JOHANNES: Wir wussten schon ewig, dass unser König der wahre König ist (Gitarrist Jonas ‚Kungen‘ Jarlsby). Man kann es auch auf älteren Alben in den Booklets nachlesen, da schrieben wir stets „Special Thanks to the Kungen“, was auf schwedisch König heißt. Unser Land wurde sogar schon in den vorangegangenen Werken samt Flagge gezeigt. Im Musikvideo zu New Land vom Vorgänger kann man diese bereits sehen – den Zusammenhang haben unsere engsten Fans sehr schnell erkannt. Letztes Jahr haben wir dann für uns beschlossen, dass die Zeit gekommen ist, Avatar Country‘s Grenzen zu öffnen, Menschen reinzulassen und die ganze Geschichte zu erzählen.

GRINGOZ: Aber es sind auf dem Album noch nicht alle Geschichten von Avatar Country erzählt worden, oder?

JOHANNES: Nein natürlich nicht, die Geschichte von Avatar Country geht über tausende von tausenden Jahren zurück. Es ist sehr komisch und kompliziert, da sich alles um unseren König dreht, der unsterblich zu sein scheint. Auf unserer neusten CD haben wir zum Beispiel den Song King After King, welcher von einem Mythos handelt, von dem es heißt, dass er wahr ist. Und zwar stirbt ein König in einer Schlacht zusammen mit seinen Soldaten. Nach dem Fall galoppiert sein Pferd hinauf in die Berge und kommt am nächsten Tag wieder runter – zusammen mit dem König! Da fingen sich die Bewohner von Avatar Country an zu fragen, ob es ein Klon, ein Bruder oder vielleicht sogar ein Alien sei, aber Genaueres wurde da nie festgestellt. Fakt ist aber, dass der König wieder da ist. Wie eine Reinkarnation. Wir gehen davon aus, dass unser heutiger König dank diesem Wunder noch derselbe ist, wie der, der diesen Staat vor tausenden von Jahren gegründet hat. Wir glauben daran, können uns aber natürlich nicht sicher sein. Denn, auch wenn die Legende von tausenden von Jahren spricht, so ist die Zeitmessung in Avatar Country eine ganz andere als hier in eurem Europa. Hier ist es jetzt 2018, in China sind wir – glaube ich – im Jahre des Hundes, aber in Avatar Country befinden wir uns aktuell im Jahr des Königs. Das war auch letztes Jahr das Jahr des Königs und nächstes Jahr befinden wir uns wieder mal im Jahr des Königs. Wenn wir uns nun also alte Dokumente anschauen und dort steht geschrieben, dass irgendwas am 1. April im Jahr des Königs stattfand, dann wissen wir leider nie wie lang das schon her ist, aber wir wissen ganz sicher, dass unser König als Mythos andere Völker bereits begeistert hat. Wenn wir uns die Geschichte der Reinkarnation anschauen, stellen wir fest, dass es das schonmal in der Geschichte der Menschheit gegeben hat – und zwar bei Jesus! Somit muss unser König also mindestens 2000 Jahre alt sein, damit er die Geschichte von Jesus inspirieren konnte.

GRINGOZ: Gehen wir mal davon aus, der König ist ein Alien. Gäbe es dann einen Avatar Planet da draußen?

JOHANNES: Das ist rein logisch möglich ja. Alles ist möglich. Wir können nur vermuten, denn unser König erzählt uns die Geschichte nicht.

GRINGOZ: Wo treibt es euch denn dieses Jahr noch so hin auf Tour?

JOHANNES: Wir sind jetzt erst mal nur auf Festival Tour und machen danach eine Pause, Kinder werden im Avatar Country geboren und wir wollen uns mal wieder unserem Privatleben widmen, da der Jahresanfang so intensiv war. Danach sind wir sicherlich wieder unterwegs, bis der Zeitpunkt kommt, an dem wir ein neues Album schreiben wollen. Ideen haben wir schon, aber es ist noch nichts Festes. Bei Avatar Country war die Idee dahinter so deutlich, dass wir alle am selben Strang zogen und wussten, was wir da auf Platte zaubern wollten. Da hatten wir knapp einen Monat geschrieben, 14 Tage im Studio verbracht und schon standen wir am Set zum ersten Musikvideo. So schnell waren wir noch nie und ich glaube, das wollen wir auch ehrlich gesagt nie mehr so miterleben. Deswegen möchte ich Avatar Country gerade erst mal wirken lassen, denn was uns sehr wichtig ist, ist die Tatsache, dass jedes Album sich komplett von den anderen unterscheidet. Klar soll Avatar stets Metal sein, aber das ist auch das einzige Versprechen, das wir unseren Fans geben werden. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht Lieder zu schreiben, die wir selbst noch nicht bei uns gehört haben. Um nun also herauszufinden was wir als nächstes wollen, brauchen wir ein bisschen Zeit.

GRINGOZ: Könnt ihr euch denn vorstellen, irgendwann nochmal über Avatar Country zu schreiben?

JOHANNES: Ich habe gelernt „Never say never“ zu Allem zu sagen, man sieht es ja bei Bands wie At The Gates, bei denen eine einzige Reunion Show zu einer letzten Tour, dann zu einem letzten Album und nun zu einer funktionierenden Band seit über zehn Jahren wurde. Ich kann gerade nur sagen, dass es keine Pläne zu weiteren Songs über Avatar Country gibt und wir versuchen unserem Konzept treu zu bleiben.

GRINGOZ: Woher kam der Mut dazu, stets etwas Neues zu veröffentlichen? Von Fans hört man immer, dass man euren Stil erkennt, auch wenn man jedes Album neu einschätzen muss, aber der Stil ist da. So was findet anfangs natürlich nicht direkt eine Zielgruppe.

JOHANNES: Der Grundstein des Ganzen war eigentlich unser Album Black Waltz aus dem Jahre 2012. Wir haben bis dahin alles versucht und haben uns gefühlt die letzten Jahre im Kreis gedreht. Als wir dann beschlossen haben, dass Black Waltz unser letztes Album wird, wollten wir jeden Einfluss von außerhalb raus lassen und unser eigenes Album schreiben, das wir selber mögen – so als Abschied. Quasi unser persönliches „Fuck You World“-Album. Diese Einstellung war genau die, die man braucht, um ein gutes Metal Album zu schreiben. Das merkt man auch live. Ich glaube kein Genre ist live und auf CD so ehrlich wie Metal. Dieser Ehrlichkeit haben wir uns verschrieben und dann natürlich ein Album geschaffen, welches uns weit nach vorne brachte und auf einmal waren wir weltweit auf Tour. Seitdem sagen wir uns bei jedem Album, dass wir es schreiben, als sei es unser letztes. Da stellen sich dann die Grundfragen wie „Was wollen wir jetzt machen?“ und „Was ist für uns jetzt wichtig.“. Mit dieser Einstellung macht man sich dann deutlich mehr Gedanken über die Kunst, als über das verdammte Radio. Lustigerweise war genau das der Schlüssel um auf den verschiedenen Radiokanälen dieser Welt zu landen. Was auch wichtig ist, ist die Band selber. Queen zum Beispiel: Another One Bites the Dust, Bohemin Rhapsody und Break Free sind drei komplett unterschiedliche Songs, die aber alle von derselben Bandkonstellation geschrieben. Man erkennt einfach die Band dahinter und das liegt nicht an irgendwelchen Verstärkern oder Effekten, sondern an den Musikern. Wir versuchen uns so wenig an musikalische Regeln wie nötig zu halten, da wir die Menschen sind, die diese Musik schreiben. Nicht irgendwelche Regeln.

GRINGOZ: Und ich glaube mit genau so einer Einstellung schafft man es dann auch ein Album in zwei Monaten fertig zu kriegen. Gibt es denn schon Pläne für 2019, oder haltet ihr es mit der Tour genau wie mit euren Alben?

JOHANNES: Doch natürlich. Wir haben schon ein Auge auf 2019 geworfen. Wichtig ist dabei die Frage, wo wir noch nicht waren. Zum Beispiel muss Ost-Europa noch viel mehr von uns bespielt werden, sowie Asien und ich persönlich bin sehr an Südamerika interessiert. Ich denke wir werden uns da noch mit einer Tour befassen, die hoffentlich in solche Länder geht, bevor wir uns dem Studio widmen.

Das Interview sowie viele weitere Themen findet ihr in unserem Gringoz Magazine #13.

Alex Hoppen
Alex Hoppen

Denkt er wäre der Administrator, fährt Smart, mag Enten, Guitar-Hero-Profi, putzt Bier mit Zähnen – oder umgekehrt?, cheated bei Pokémon Go, speifrei seit 2014, Erste-Reihe-Milchtrinker aus Überzeugung und liebt Katzenbilder.