Auch dieses Jahr lockte eines der Major Festivals Deutschlands wieder zehntausende Ringrocker zu ihrer zweiten Heimat, dem Nürburgring, um an drei vollen Festivaltagen zu guter Musik, viel Action und ein bisschen Regen zu feiern. Wir waren für euch natürlich auch wieder vor Ort, um von einem der schönsten Wochenenden des Sommers zu berichten. Wieso das Ringwetter der Special Act der Herzen war und wie krass der Metal am Ring regiert, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Bericht.

Ein Blick auf das LineUp lässt uns schon im Voraus erstrahlen, da einfach die Perlen jedes Genres gut kombiniert dieses Wochenende hier auf dem Ring spielen. Wer den Rock ’n’ Roll zelebriert, kann dies bei Greta Van Fleet, Muse oder den Foo Fighters tun. Für HipHop-Fans gibt es ordentlich von Casper, Bausa oder Raf Camora auf die Ohren und die puren Festivalisten unter euch, die gerne feiern und einfach die Atmosphäre genießen, erleben sicherlich das ein oder andere Highlight bei Trailerpark, Hollywood Undead oder Thirty Seconds To Mars.

Haben wir noch was vergessen? Ach ja, natürlich gibt es auch für die Metal-Leistungssportler unter euch ein wahres Bankett an Acts. Wer seine Nackenmuskulatur in Stimmung bringen will, kann dies bei Avenged Sevenfold, Kreator, Bullet For My Valentine und natürlich Parkway Drive tun. Wie ihr seht, ist wiedermal für jeden Geschmack das richtige LineUp dabei und selbst wir sind überrascht, wie herzhaft wenige blutige Überschneidungen es dieses Jahr zu beklagen gibt. Der einzige große Schnitt ist, dass Asking Alexandria gleichzeitig zu Bullet For My Valentine spielen, was sicherlich durchaus auch auf einer Bühne zu realisieren gewesen wäre. Aber bei zwei Acts an drei Tagen ist das natürlich meckern auf höchstem, von uns gewohntem, Niveau.

Doch blicken wir erst mal auf die Tage vor Rock am Ring, welche mit der ein oder anderen spaßigen Anreise glänzen, denn fast 100.000 Ringrocker wollen ja bekanntlich nicht Freitagmorgen gemütlich zum Festival fahren, sondern brauchen schon im Voraus ordentlich Party und Bier. Dabei kann dieses Jahr zum ersten Mal das Camping Ticket separat zum Festivalticket ergattert werden, was dem Veranstalter MLK natürlich mit einer bestimmten Anzahl am Campern kalkulieren lässt und dem nicht-kampierenden Volk die Möglichkeit gibt, deutlich billiger ein Festivalticket zu kaufen – gut überlegter Schachzug seitens der Veranstalter. Wer sich jedoch zum Campen durch-ringt, kann dies wieder in den drei bekannten Kategorien General, Green Camping, Rock ́n ́Roll und Experience machen. So können Ringrocker sich vorab entscheiden, ob ihnen das reguläre Camping mit Zelt reicht oder ob man lieber mit viel zu lauter Anlage und eigens gebauter Sauna das Festival genießt. Ja, sogar ein eigenes kleines Häuschen neben der Hauptbühne ist mit dem richtigen Geldbeutel drin. Insgesamt hat MLK das Angebot der letzten Jahre deutlich positiv ausgebaut, wobei der Ur-Kern der Fangemeinde sich ein klassisches General- und „Mach fast alles was du willst„-Feeling zurückwünscht.

Schauen wir uns die Bühnen an, so gibt es, wie bereits in Mendig und RaR 2017, die bekannte Volcano Stage, die für die Headliner gedacht ist. Die Crater Stage, welche das Gegenstück zur Volcano ist, aber unserer Meinung nach – durch den guten Sound und der weitreichenden Aussicht von weiter hinten – für Besucher besser geeignet und natürlich die Alternastage, die ehemals die Clubstage war und für die kleineren Perlen des Festivals gedacht ist. Wer die letzten Jahre mitverfolgt hat wird sich jetzt natürlich fragen, was mit dem Club Tent passiert ist, in dem die letzten drei Jahre zu später Stunde bis zum Morgengrauen Elektro-Künstler für Party sorgten. Nun, das hat sich wohl einfach nicht rentiert, da das Rock am Ring Publikum eben auf Live-Musik steht. Aber als Besucher ist man auch mit den drei genannten Stages durchaus für ein perfektes Rock am Ring Wochenende mit allerlei Action und Spaß in jedem Genre bedient.

Dennoch hätte der leicht holprige Start Rock am Ring fast zum dritten Jahr in Folge etwas den Spaß verdorben. Heftige Unwetter machen sich schon Donnerstagabend über dem Gelände und den drumherum zeltenden Rockern breit und sorgen für die ein oder andere recht nasse Nacht.

Der Regen hält sich sogar tatsächlich bis zum nächsten Tag und macht die Eröffnung des Festivals durch Greta Van Fleet zu einem feuchten Vergnügen – Ringwetter, du hast mal wieder dein Versprechen gehalten und kommst als Gast zu Rock am Ring. Dass dieser ungebetene Besucher aber pünktlich zum Start des Sets von Callejon auf der Crater Stage wieder gehen würde, hätte Sekunden vorher wahrscheinlich keiner gedacht. Gerade als der Regen richtig zu peitschen beginnt und es für unsere Fotografen fast unmöglich ist, diese Momente für euch einzufangen, entscheidet sich das Ringwetter wohl dazu etwas Niveau zu zeigen und zum Song Schwule Mädchen das Weite zu suchen – und zwar für das gesamte restliche Wochenende! Jetzt kann der Spaß also losgehen!

Ein kleiner Vorteil für die Harten, die die ersten Stunden im Regen ertragen haben, ist die ziemlich überschaubare Zuschauerzahl auf dem Gelände bis 15 Uhr . Während es in den letzten Jahren bereits nach der zweiten Band kaum in den dritten Wellenbrecher zu schaffen war, kann man dieses Jahr mit etwas Glück sogar noch in die begehrte erste Welle durchmarschieren. Keine schlechte Sache, denn gerade am Freitag, dem heimlichen Tag der Headliner, gibt es auf den verschiedenen Bühnen die meisten Highlights zu sehen. Ohne Probleme kann man hier drei Mal die Bühne wechseln, um sagen zu können, man hat den größten Teil der Highlights des ersten Tages erlebt. Mit Hollywood Undead, Jonathan Davis und Enter Shikari auf der Crater Stage ist man schon gut bedient, doch auch die brachiale Bühnenshow von Casper sollte man nicht verpasst haben – eindeutig der Headliner der Herzen, denn der danach folgende Auftritt von Thirty Seconds To Mars ist eher das, was viele Fans als ein reguläres Konzert statt einem grandiosen Gig wie im Jahre 2013 bezeichnen würden.

Wer danach noch Lust auf Wandern hat, geht wieder zurück auf die Crater Stage und schaut sich einen -ausnahmsweise nicht betrunkenen Marilyn Manson- RaR Auftritt an, der durchaus als Top Performance gelten kann. Der Samstag steht ganz klar im Namen der Crater Stage, da der Großteil der Ring-Gemeinde mit dem Programm der Volcano Stage nichts anfangen kann. Fast bis zum Co-Headliner bleibt diese Bühne so leer, wie im vorherigen Jahr 30 Minuten nach Einlass, was ganz klar an der recht flachen und schwachen Besetzung der Bühne liegt, aber durchaus auch verstärkt durch das verdammt knallige Aufgebot auf der Crater Stage wird. Hier kann zu Bury Tomorrow, Bullet For My Valentine, Parkway Drive und Avenged Sevenfold direkt an einem Tag alles beschaut werden, was sich manch ein Metalhead für ein ganzes Festival wünscht.

Und sogar die Alternastage kann durchaus positiv glänzen mit Acts wie Heisskalt oder Don Broco. Jedoch macht ein LineUp wie Muse, Snow Patrol und Kaleo eher Laune auf Schunkelstimmung statt Rock ´n ´Roll. Doch genau hier kommt eine der Stärken des Nürburgringes zum Vorschein, nämlich dass selbst bei großem Andrang auf eine einzige Bühne, die Kapazitäten dieser Stage nie erschöpft sind und einige Nachzügler die Band lediglich hören statt zu erleben. Davon profitierten sowohl die eingeschlafenen Fans vor der Volcano Stage als auch die noch leicht angetrunkenen Campingrocker.

Der Sonntag ist für die Rock am Ring Gemeinde meist der schwerste Tag. Zusammen mit der Gewissheit, dass hier die großen Highlights wie Foo Fighters und Gorillaz als must see Acts gelten, treffen hier das Bedürfnis nach geiler Live Musik und der Drang nach Erholung vom Festivalwochenende aufeinander. Zwei Tage Party und noch ein paar mehr davor beim Camping, lassen den ein oder anderen Körper langsam erschlaffen und man fühlt sich 20 Jahre älter. Hier heißt es den inneren Schweinehund nochmal zu überwinden und sich ein letztes Mal auf das Gelände zu schleppen. Wer das einmal geschafft hat, weiß wie schnell man wieder durch die ganz spezielle Ring Atmosphäre auf 100% ist. Auch wenn die meisten Menschen heute nur wegen Trailerpark, Foo Fighters, Rise Against und den Gorillaz sichtlich am Merch erschienen sind, wird am frühen Nachmittag dadurch der ein oder andere sicherlich auf die weiteren Attraktionen des Geländes aufmerksam.
So ist der Luna Park mit seinem Kirmes Feeling wie jedes Jahr eine Ruheoase am Sonntag, während bei Ständen von Rockstar und Co. der höchste Andrang herrscht, um an gratis Energydrinks zu kommen oder einen der begehrten Liegestühle zu ergattern. Ja, wir sind uns sogar sicher, dass die Nachfrage nach Liegestühlen am Sonntag höher war, als die auf die erste Reihe der Volcano Stage an den Tagen zuvor.

Die Alternastage steht am Sonntag ganz klar im Zeichen des Metalcores mit Bands wie Caliban, Avatar (verpasst hierzu nicht unser geniales Interview in diesem Magazin), Thy Art Is Murder oder dem Finale mit Meshuggah. Doch auch abseits dieser Bühne wurde laut gefeiert. Während die Foo Fighters mit ihrem eigens benannten Merch Stand den ganzen Tag ein äußerst lukratives Geschäft betreiben, stehen schon pünktlich zum Einlass die ersten Trailerpark Fans an der Crater Stage, um am späten Abend hier eine der gefragtesten Festival Formationen Deutschlands zu erleben. Als Kirsche oben drauf gibt es später sogar noch Bilderbuch, welche durch ihren einzigartigen Stil durchaus wissen, wie man ein so junges Publikum begeistert.

Anders als am Vortag geht es an der Volcano diesmal den ganzen Tag heiß her. Mit Good Charlotte, Rise Against und den Foo Fighters wird hier ein amerikanisches Wunschprogramm gefunden, das den ersten Wellenbrecher fast für den gesamten Tag füllt. Wer um 16 Uhr eintrifft, um bei den Foos vorne zu stehen, wird mit der bitteren Realität konfrontiert. Dabei überzeugen die Foo Fighters ihr Publikum zwar bis in die letzte Reihe, können aber die versprochene Spielzeit von 2,5 Stunden nicht halten und müssen ihr Set, aufgrund der angeschlagenen Stimme von Frontmann Dave Grohl, um 20 Minuten verkürzen – bis zu diesem Zeitpunkt liefern die Jungs allerdings wie 2015 kräftig ab und geben uns ein wohlwollendes Gefühl eines würdigen Finales. Für jeden der danach noch nicht genug hat, gibt es auf der Crater Stage die Gorillaz mit ihrem Rock am Ring Debüt und einer grandiosen Live Show noch bis nach Mitternacht zu sehen. Ein Festival geht im großen Stil zu Ende und zeigt sich stets von seiner besten Seite. Wir haben trotz müder Knochen noch nicht genug und lassen das Festival nicht nur vor der Bühne ausklingen, sondern bleiben noch eine letzte Nacht auf dem Campingplatz, bevor es am Tag danach für ein Jahr wieder in die erste Heimat geht.

Insgesamt konnte der Fluch der letzten zwei Jahre endlich gebrochen werden, wir hatten 2018 ein komplettes Rock am Ring ohne Unwetter oder große Ausfälle im LineUp. Doch leider hat die Vergangenheit durch solche Ereignisse der Marke Rock am Ring ein wenig geschadet, wodurch dieses Jahr ein Ausverkauf nicht annähernd in Sicht war.

Wir hoffen, dass sich diese Zahlen wieder dem Standard zuordnen können und wir zukünftig wieder ein erfolgreiches Rock am Ring aus Sicht der Besucher und Veranstalter begrüßen können. Die kleinen Bremsen über das Wochenende hinweg konnten schnell wieder in Gang gebracht werden – so denn Regen fiel, gab es im nächsten Moment eine geile Band zu sehen und wo das LineUp schwächen aufzeigte, wurde auf den Nachbarbühnen nur umso stärker gerockt. So zeigte sich das Festival von seiner durchaus starken Seite – als Major Festival. Man kommt nicht zum Ring, um Bands eines bestimmten Genres zu feiern, sondern man reist Jahr für Jahr hier hin, um verdammt nochmal Rock am Ring Bands zu sehen und mit der Zeit kennt man natürlich 60% des LineUps aber man kann in den folgenden Jahren eine Show stets als ein Wiedersehen empfinden. Und genau diese Stärke lockt uns Jahr für Jahr zu diesem Festival. Es sind die Bands, die zweite Familie von fast 100.000 Mitgliedern, manchmal auch die leicht überteuerten Imbissbuden und einfach dieses Ring Flair in der Eifel.

Und auch nächstes Jahr pilgern wir wieder gen zweite Heimat, diesmal auf ärztliche Empfehlung, denn Die Ärzte höchstselbst werden ihre zwei einzigen Deutschland Konzerte nach sechs Jahren Pause bei Rock am Ring und Rock im Park verrichten. Die Vorverkauf hat bereits begonnen und auch ihre solltet schnellstmöglich euren Sommerurlaub 2019 um dieses Erlebnis upgraden. Wir sehen uns am Ring!

Alex Hoppen
Alex Hoppen

Denkt er wäre der Administrator, fährt Smart, mag Enten, Guitar-Hero-Profi, putzt Bier mit Zähnen – oder umgekehrt?, cheated bei Pokémon Go, speifrei seit 2014, Erste-Reihe-Milchtrinker aus Überzeugung und liebt Katzenbilder.