Wenn der Eyeliner beim Discounter wieder knapp wird, man die alten Emo Shirts von vor zehn Jahren wieder rauskramt und mit Freunden, die man noch aus der alten Zeit in der Szene kennt, auf einem Stück Pappkarton vor einer Konzerthalle auf den Einlass wartet, dann müssen Escape The Fate in der Stadt sein. Regelmäßig steht Deutschland ganz oben als Tourstation bei den US-Rockern, was vor allem für das treue und textsichere Publikum spricht.

Vor zwei Jahren spielten die Jungs noch in der Live Music Hall, heute geht es in die Essigfabrik, welche vor allem durch einen breiten Zuschauerbereich als Konzertbesucher durchaus lukrativer wirkt. Eröffnet wurde der Abends von der Band Shields aus England, welche mit einem modernen Mix aus Metal und Hardcore dem Publikum erste Bewegungen entlocken konnten – leider blieb die große Sause aus und die Menge wirkte größtenteils versteift, was wir heute einfach mal der Kälte und der natürlich schweren Aufgabe als Opener Support zuweisen möchten, denn die Jungs beherrschen ihr Handwerk.

Weiter ging es mit einer nicht ganz so leicht zu beschreibenden Band aus den Staaten. Set To Stun beschrieben ihren Musikstil als Sci-Fi-Post-Hardcore … wir nennen es einfach mal bunt gemischter Sound, der mit einem Schmunzeln betrachtet werden sollte. Müssten wir dem ganzen einige Beispielbands zuordnen, wäre es eine Mischung aus System Of A Down feat. Thy Art Is Murder incl. Bring Me The Horizon in Kooperation mit KING810 – sowas halt.

Entsprechend kam der durchmischte Stil auch beim Publikum an, Fans der Band feierten die erste Live Performance auf deutschem Boden und die die Set To Stun nicht kannten, werden in ein paar Tagen wissen, ob die Band absoluter Schrott in ihren Ohren ist, oder absolut genial.

Der Höhepunkt des Abends stand aber noch aus und ließ uns direkt zum Start in nostalgische Gewässer gleiten. Mit This War Is Ours wurde die absolute Klassiker Hymne direkt zum Start in den Ring gehauen und zog das Publikum sofort in den Bann. Auch wenn ein Mütze tragender und leicht gelangweilt wirkender Craig Mabbitt nicht den besten Eindruck lieferte, konnte das die Menge nicht mehr stoppen. Allgemein bestand das Set der Band eher aus Songs des gefeierten zweiten Albums, als aus einem guten Mix der letzten fünf und vor allem dem kommenden Album. Mit nur drei Songs vom im Februar erscheinenden Album I Am Human könnte man fast meinen, die Band hatte Angst, vorab diese Songs zu spielen, da das Publikum zu neuen unveröffentlichten Songs nie wirklich mitfeiert – da wurde die Rechnung aber zum Glück nicht mit der ETF Fanbase gemacht. Gerade Songs wie Do You Love Me, welche erst im Dezember als Single erschienen, wurden so Text sicher gebrüllt, wie die Klassiker – absolute Topleistung heute Abend Köln!

Dennoch wirkte der gesamte Auftritt eher un-authentisch, als wirklich live. Den Stil, der heute Abend hier größtenteils präsentiert wird, vertreten die Jungs optisch schon lange nicht mehr und insgesamt wirkt die Performance eher vorgetragen als „Hey, wie sind jetzt hier und haben Bock auf ne geile Show mit euch geilen Fans!“, das konnten auch Coversongs von Guns N´ Roses und My Chemical Romance  (Zufall?) nicht retten – dennoch blieb für Fans der alten Alben kein Wunsch offen und wenn man dem Publikum richtig zuhörte, weiß man, dass auch das kommende Album bereits jetzt gefeiert und in hoffentlich zwei Jahren wieder lauthals mitgesungen wird.

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Alex Hoppen
Alex Hoppen

Denkt er wäre der Administrator, fährt Smart, mag Enten, Guitar-Hero-Profi, putzt Bier mit Zähnen – oder umgekehrt?, cheated bei Pokémon Go, speifrei seit 2014, Erste-Reihe-Milchtrinker aus Überzeugung und liebt Katzenbilder.