Seit 1992 mischt das Trio (Eizi eiz, Denyo, DJ Mad) die Musikwelt auf, dabei fing es mit dem Track „K.E.I.N.E.“ an und ließ zahlreiche Alben und Maxis folgen, was sie an die Spitze des Hip Hop’s katapultierte. In diesem Jahr melden sich die Jungs mit ihrem Longplayer „Advanced Chemistry“ zurück.

Ich glaube alle Kinder der 90er hofften auf ein altbewertes Beginneralbum, mit den entspannten und trotzdem tiefsinnigen Raps gepaart mit rhythmischen, motivierenden Dj-Sound. Und keine Frage die Drei haben mal wieder jedes Register gezogen, Gastacts (Samy Deluxe, Haftbefehl, Dendemann,…) mit einbezogen und den gewohnten Groove eingebaut. Der erste Song „Ahnma“ haut einen erstmal um, denn mit Unterstützung von Gentleman und Gzuz kriegt man den alten Straßensound entgegen gehauen. Tiefe und schwere Beats untermalen die Texte über ihre Situation und deren Provinz Hamburg. Herrlich ist der Übergang zum zweiten Song „Es war einmal…“, denn hier erzählen sie von ihrer Anfangszeit mit lockerem groovigen Sound, bei dem man einfach mitwippen mag.  Ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen, berichten die Drei von ihrem Werdegang vom NoNameRapper bis zu deren heutigen Erfolg mit „Goldplatten im Goldkäfig“, wobei die Jungs zeigen, dass sie auch nur Menschen sind. Ein paar Reggaeeinflüsse erwarten einen beim Track „Schelle“, wo es wortwörtlich um ‚dir eine Schelle geben‘ geht. Dabei spielen sie mit einem Wechsel aus entspannten Reggae und schwerem Bassbeats, was das zuhören und mitgehen verwirrt und zweitweise schwer fällt, da man nicht weiß ob man mitfeiern oder eher auf „Gangstarapper“ machen soll, Gefühlschaos vorprogrammiert.

 

 

Kater“… ja genau der Kater nach übermäßigen Alkoholeskapaden ist gemeint, der Tag danach, den alle so scheuen. Eizi Eiz und Denyo beschreiben jedes noch so kleine Gefühl vom Würgreiz über das zerstörte Aussehen und das Gefühl des noch bestehenden Pegels. Durch den schleppenden Sound fühlt man sich in deren Lage versetzt und muss teilweise schmunzeln über Textzeilen wie „…doch wen wunderts, nach 50 Kurzen, ich geh auf Klo nochmal gründlich furzen…“. Bei dem Titel „Thomas Anders“ hat wohl jeder erstmal Modern Talking im Kopf, dabei stellt man schnell fest, dass es um das anders sein geht. Der Song ist eher minimal gehalten, sowohl vom Sound, als auch vom Text und es geht in keiner einzigen Sekunde um Thomas Anders. Ähnlich klingt „Macha Macha“, wobei die Beginner hier umschwenken vom anders sein zum Machertyp, der immer in Bewegung ist, eben ein Macher.

Zum Nachdenken regt „Nach Hause“ an, der melancholische Sound verstärkt die Wirkung der depressiven Texte über das Leiden weit weg zu sein und einfach nach Hause zu wollen. Die Schattenseiten des Unterwegs seins kommen hier deutlich zur Geltung: „Ich will nach Hause, Nimm mich nach Hause“, deren Weg zum Alkohol.

Man bekommt in diesem Album das Gefühl den Beginnern ein Stück näher zu kommen, denn sie geben einen tiefe Einblicke in deren Gefühlwelt, welche sie in ihrer Musikzeit durchgemacht haben. Die Trackreihenfolge scheint genau durchgeplant, denn Song für Song baut aufeinander auf. Eigentlich könnte man meinen nach dem Titel „Nach Hause“ wäre Schluss irrt sich, denn mit dem Track „Foxy Music“ bekommt ihr ein Mixtape um die Ohren gehauen was einem alte Erinnerungen hervorruft. Mit typischen 90’s Hip Hop-Style packen die sympathischen Hamburger nochmal jeglichen Rap aus ihrem Repertoire und lassen den Kopf mitwippen. Kurz gesagt: Die Beginner sind sich einfach mal treu geblieben.

Gringoz Magazine
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