Da ist es also – das vierte Album der US-Rocker von Of Mice & Men, deren Wandlung ich über die letzten 6 Jahre mehr als positiv beobachtet habe. Leider liefert der neuste Silberling nichts weiter als aufgewärmtes musikalisches BestOf der letzte Jahre. Wo der Vorgänger Restoring Force (2014) noch der perfekte Drahtseilakt zwischen brachialen Riffs und melodischen Ohrwürmern war, plätschert Cold World mit teils langweiligen, teils dreist geklauten Songs nur so daher.

Dabei fällt es bei einigen Songs echt schwer zu erkennen, ob die Clean Parts gerade mit einer extrem überarbeiteten und glatt gestrichenen Stimme von Frontmann Austin Charlile oder Bassist Aaron Pauley angestimmt werden. Ob diese sanften Töne darauf zurückzuführen sind, dass der Fronter erst kürzlich zu Gott gefunden hat, ist zwar eine berechtigte Frage, hat aber lyrisch dem Album in keinster Weise geschadet.

Schade an der ganzen Sache ist jedoch, dass die Emotionen nicht so ganz zum Vorschein kommen wir auf den vorherigen Meisterwerken – dabei ist Mister Charlile mit einer vergleichbaren Stimme des Linkin Park Fronters Chester Bennington gesegnet, nur punkiger und dreckiger. Dass daraus nicht das volle Potential geschöpft wird, wirkt sehr enttäuschend. Doch woran hat es gelegen? Die im Voraus veröffentlichten Songs Pain und Real sind eindeutig das Aushängeschild von Cold World und Stimmten vorab natürlich auf ein deutlich härteres Album ein – diese Sind zwar im Gesamtkonzept recht gut platziert, sodass ein durchgehender Hörfluss möglich ist, aber gehen im Gesamtkonzept doch schon ziemlich unter.

Dabei fehlt es dem Album in keinster Weise an Atmosphäre, jedoch wirkt einfach das 13-Track starke Werk einfach nur dahin geklatscht ohne wirklich ein Auge auf den gesamten Ablauf zu haben – wer schon ein Album mit dem Namen Cold World ankündigt und vorab 2 ziemlich dunkle Tracks veröffentlicht, sollte sich leider nicht wundern, wenn das doch recht ruhige Gesamtkonzept nicht mit der richtigen Erwartung zieht. Wir sind gespannt, wie Cold World in die aktuelle Live Setlist implementiert wird.

Alex Hoppen
Alex Hoppen

Denkt er wäre der Administrator, fährt Smart, mag Enten, Guitar-Hero-Profi, putzt Bier mit Zähnen – oder umgekehrt?, cheated bei Pokémon Go, speifrei seit 2014, Erste-Reihe-Milchtrinker aus Überzeugung und liebt Katzenbilder.