Wer auf progressiven, instrumentalen Metal steht, kommt an ANIMALS AS LEADERS nicht vorbei. Das Dreiergespann um Frontmann und Gitarren-Virtuosen Tosin Abasi, der die Band anfangs als reines Solo-Projekt führte, hat seine Vorreiterrolle in der Szene mit dem aktuellen Album „The Joy Of Motion“ (2014) einmal mehr untermauert. Bevor gegen Ende des Jahres eine neue Platte das Licht der Welt erblickt, trat das amerikanische Trio nochmal eine ausgiebige Konzertreise durch Europa an. Auch Stuttgart stand dabei am 25. Juli auf dem Tourplan.

Die Show musste rund einen Monat vorher „aus produktionstechnischen Gründen“ vom Im Wizemann in den Kellerklub verlegt werden. Der Stimmung sollte das jedoch keinen Abbruch tun – im Gegenteil, der kultige Rockschuppen im Herzen Stuttgarts wurde kurz vor Beginn der Show noch ausverkauft, was beste Voraussetzungen für ein schweißtreibendes Konzert bot.

Eröffnet wurde der Abend vom Solo-Musiker und Multi-Instrumentalisten PLINI aus Australien, der sich jedoch für Studioaufnahmen und Live-Auftritte befreundete Gastmusiker ins Boot holt – so auch in Stuttgart. Musikalisch lässt sich das Projekt in der instrumentalen Gitarrenmusik einordnen. Obwohl der Auftritt sogar etwas früher als angekündigt begann und einige Gäste noch in der Einlassschlange warteten, während auf der Bühne bereits die Saiten strapaziert wurden, war der Club voll mit Menschen, die begeistert den Klängen PLINIS lauschten. Ein guter Start.

PLINI bescherte einen gelungenen Startschuss.

PLINI bescherte einen gelungenen Startschuss.

Nach einer kurzen Pause ging’s weiter im Programm mit INTERVALS aus Kanada, wobei es sich um ein Solo-Projekt von Aaron Marshall, das im Instrumental-/Djent-Bereich zu Hause ist (ja, die Parallelen zwischen den drei Bands des Abends lassen sich spätestens jetzt nicht mehr von der Hand weisen). Als instrumentelle Unterstützung an zweiter Gitarre, Bass und Schlagzeug standen PLINI und dessen Band vom vorherigen Gig auf der Bühne – sowas nennt man dann wohl Kollegialität. Musikalisch und stimmungstechnisch machte INTERVALS genau da weiter, wo PLINI zuvor aufhörte – hier wurden verspielte Melodielinien mit metallischen Riffs verflochten, was dem Stuttgarter Publikum sichtlich gefiel.

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Auch INTERVALS sorgte sichtlich für Begeisterung.

Im weiteren Verlauf des Abends sollte der Metal jedoch immer weiter in den Vordergrund rücken, was bereits mit den ersten Takten des Headliners ANIMALS AS LEADERS klar wurde. Die verspielten Melodien, die bei den Support-Bands häufig anzutreffen waren, wichen nun zunehmend zerfrickelten, progressiven Klangteppichen und einer ordentlichen Portion „auf die Zwölf“. Viele Worte bis auf ein kurzes „Hallo“ und knappen Smalltalk zwischen einigen Songs verlor Frontmann Tosin Abasi nicht – doch die waren auch gar nicht nötig, um das Publikum zu fesseln. Die Musik von ANIMALS AS LEADERS sprach ganz einfach für sich. Viele Zuschauer standen mit offenen Mündern und nickenden Köpfen da, während das Trio sein unglaubliches musikalisches Können auf der Bühne zeigte. Vor allem Drummer Matt Garstka rückte immer wieder in den Fokus, da er zahlreiche derartig verrückte Drumsolos hinlegte, dass ihn selbst seine Bandkollegen lachend und mit schüttelndem Kopf beobachteten. Nach rund 60 Minuten und elf Songs setzte der Superhit „Cafo“ dem Set einen würdigen Schlusspunkt. Eine Zugabe gabs zwar nicht, was die Begeisterung der Besucher jedoch nicht schmälern sollte.

Ein eingespieltes Team: ANIMALS AS LEADERS.

Ein eingespieltes Team: ANIMALS AS LEADERS.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass für die Tour ein hochwertiges Line-Up geschnürt wurde, bei dem es nicht nur enorme Parallelen in der Bandzusammensetzung gibt, sondern das sich auch musikalisch optimal ergänzt hat. Wo PLINI und INTERVALS eine gelungene Einstimmung lieferten, rissen ANIMALS AS LEADERS den Zuschauer endgültig in eine Welt voller gewaltiger Soundlawinen mit. Stuttgart erlebte drei Bands, die ihr Handwerk perfekt beherrschen und zurecht das Prädikat „virtuos“ verdienen.

Musik braucht eben nicht immer Vocals, um sich im Gehörgang festzubeißen und zum Träumen anzuregen. Und gitarrenlastige Konzerte brauchen nicht immer dicke Moshpits und Wall Of Deaths, um nachhaltig zu begeistern.

Fotos: Julia Hofmann / gringoz-magazine.de

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