FEINE SAHNE FISCHFILET im Interview: Da braut sich ein Sturm zusammen

Sie rebellieren in den Charts und den verschiedneen Radiosendern, wie keine andere Band – Feine Sahne Fischfilet polarisiert Fans und Kritiker auch 2018 weiterhin von ihrer positiven Seite. Wir haben uns mit Gitarrist und Sänger Christoph einmal zusammengesetzt, um das aktuelle Momentum anzuhalten und über das aktuelle Album und die Zukunft zu plaudern.

GRINGOZ: Erst mal das wichtigste: Wie geht es euch aktuell? Außer dass es vielleicht etwas zu kalt bei euch ist.

CHRISTOPH: Ja, uns geht es super momentan. Gerade ist unser neues Album „Sturm & Dreck“ raus gekommen, wofür wir dann doch insgesamt anderthalb Jahre Arbeit, Energie und Kreativität aufgebracht haben. Schön, dass es jetzt so ab geht, die Platte so dermaßen in Umlauf kommt und wir uns mit unserer Musik und unseren sozialen und politischen Botschaften des Albums Gehör verschaffen können. Diese ganze Promosache ist natürlich auch etwas Kräfte zerrend, aber das ist eine sehr schöne Anstrengung die wir gerne dafür in Kauf nehmen. Wir genießen das gerade alles sehr. Bald gehen wir dann auf Tour mit der Platte. Viele Konzerte sind schon ausverkauft und wir haben so Bock die Lieder endlich live mit den ganzen Leuten zu erleben. Super Sache! Ein bisschen ist es so, bildlich gesprochen, als wenn man die letzten Jahre viel gesäht hat im Garten und in die Aufzucht neuer Pflanzen viel Arbeit und Liebe reingesteckt hat – und jetzt erntet man halt ab. Bis jetzt eine gute Ernte…wir scheinen alle satt zu werden. (lacht)

GRINGOZ: Ihr kommt ja aus Mecklenburg-Vorpommern – einem Bundesland, in welchem eine Partei viele Wähler hat, gegen die ihr euch zurecht regelmäßig stark macht. Wie fühlt sich das als Band aus der Region an? Nehmt ihr das alles nach Friedrich Nietzsche legendären Satz: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!“?

CHRISTOPH: Also inzwischen sind es ja zwei rechte Parteien die viele WählerInnen haben. Die AfD hat hier über 20% der Stimmen zu den Landtagswahlen bekommen. Die NPD ist zwar raus aus dem Landtag, aber weiterhin infrastrukturell und personell gut verankert in vielen ländlichen Regionen und Städten in M/V.
Letztendlich ist das aber nicht erst seit gestern so und der Erfolg der rechtspopulistischen und rassistischen AfD fällt nicht einfach so vom Himmel. Das war ja alles abzusehen und schockiert uns auch nicht dahingehend. Das ist nicht neu. Das ist eine Zustandsbeschreibung und auf der Straße und im Alltag schon längst Realität. Jetzt halt auch in den Parlamenten. Die Gesellschaft steht sehr weit rechts. Wir wollen uns mit unseren Aktionen wie der „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen den Rechtsruck“ – Kampagne auf die Leute konzentrieren die sich diesem Rechtsruck noch entgegenstellen und sich für eine solidarische und vielfältige Gesellschaft einsetzen. Wir wollen ihnen Kraft geben und sie unterstützen. Praktisch sind wir dann in die sehr ländlichen Regionen gegangen, um dort mit den Leuten vor Ort kulturelle und attraktive Events zu veranstalten, die es dort sonst kaum und viel zu wenig gibt. Das werden wir in Zukunft auch immer wieder tun. Dieses Rezept macht momentan für uns am meisten Sinn und entzieht langfristig den rechten Parteien und Organisationen am Besten den Nährboden. Seitdem wir Jugendliche sind, haben wir es mit Angriffen von Nazis zu tun und seit jeher sind wir somit antifaschistisch aktiv. Auch mit der Band. Das drücken wir ja auch in unseren Texten aus. Wir versuchen uns durch die ganzen Aktionen gegenseitig zu stärken, ein positives Gefühl zu vermitteln und sagen: „Hier geht noch was. Ihr seid nicht alleine.“. Also selbstbewusst nach vorne gehen. Das hilft und ist effektiv. Und mit dem Satz von Nietzsche kann man auf jeden Fall kommen. Der passt da sehr gut rein in unser Lebensgefühl in M/V und unterstreicht unsere positive Herangehensweise ans Leben, trotz des starken Gegenwinds.

GRINGOZ: Eure neue Platte enthält natürlich auch die ein oder andere politische Note – wie würdet ihr den Nachfolger von „Bleiben oder gehen“ im direkten Vergleich beschreiben?

CHRISTOPH: „Sturm & Dreck“ ist etwas unmittelbarer und direkter in vielen politischen Aussagen, als „Bleiben oder gehen“ es war. Zudem auch positiver darin. Damit will ich aber die politischen Aussagen auf „Bleiben oder gehen“ und deren Ausdruck nicht runter reden. Damals haben wir gewisse Aussagen in der lyrischen Form indirekter geäußert, weil wir es so gefühlt haben. Und unsere Grundstimmung war damals auch etwas düsterer. Was natürlich auch spannend ist und rüber kommen muss. Ich bin da sehr stolz auf unsere Lyris auf „Bleiben oder gehen“. Unsere Texte stammen immer direkt aus uns selbst und unseren Erfahrungen und Erlebnissen die wir machen. Das hatte dann dieses mal eine für mich sehr wertvolle Unmittelbarkeit und Direktheit in den Texten und ist in vielen Texten dann mit Absicht einfach gehalten in der Lyrik. Halt auch, weil wir das so gefühlt haben. Durch diesen Vorgang und die unmittelbaren sehr persönlichen Geschichten versuchen wir immer höchstmöglich authentisch und ehrlich zu sein. Es ist ein bisschen wie ein Tagebuch. Es scheint so, als wenn das viele Menschen berührt. Das ist natürlich was sehr schönes. Die Texte entstehen aus uns und unseren Reflektionen der gemachten Erlebnisse. Wie immer ist es auch auf „Sturm & Dreck“ ein Mix aus persönlichen, politischen Texten, die oft ineinander wirken und nicht voneinander zu trennen sind. Sehr hautnah ist das zu erkennen in „Suruc“ oder „Angst frisst Seele auf“. Persönlich und höchst politisch zugleich.

GRINGOZ: Werfen wir einen Blick auf die aktuelle Tracklist von Sturm & Dreck, fällt uns direkt der Song „Angst frisst Seele auf“ ins Auge – könnt ihr zu diesem uns was erzählen?

CHRISTOPH: Diesen Song hat Monchi für Katharina König-Preuß geschrieben und er soll ihr und im allgemeinen Menschen Kraft geben die in ihrem Kampf gegen Nazis immer wieder bedroht und angegriffen werden. Der Song setzt sich auch mit der großen eindringlichen Frage der Angst auseinander. Angst ist da und menschlich. Wir wollen uns von ihr aber nicht lähmen lassen. Katharina ist eine sehr gute Freundin von uns und arbeitet im NSU-Untersuchungsausschuss mit. Sie macht da sehr starke Arbeit für die Aufdeckung von Nazistrukturen und geht den Nazis gehörig auf den Sack. Davor haben wir sehr viel Respekt. Sie wird oft bedroht von Nazis und bekommt auch Morddrohungen von diesen Schweinen. Der traurige Höhepunkt dieser Drohungen war ein Song einer Neonaziband namens „Erschießungskommando“. In diesem Song singen die Nazis davon, wie sie Katharina umbringen. Unser Song „Angst frisst Seele auf“ soll ihr Kraft geben, Mut machen und versuchen einen Umgang mit solchen stark belastenden Erlebnissen auf künstlerischer Ebene zu finden.

GRINGOZ: Was sind eure persönlichen Favoriten Songs auf dem Album?

CHRISTOPH: Wir sind wirklich sehr von allen zwölf Songs auf „Sturm & Dreck“ überzeugt. Wir mögen sie alle. Jeder hat aber bestimmt ein paar Favoriten, ganz normale Sache und halt völlig subjektiv. Bei mir sind es „Alles anders“, „Zuhause“ und „Dreck der Zeit“. Liegt wahrscheinlich daran, weil ich für alle drei den Text geschrieben habe und ich von diesen überzeugt bin. Musikalisch liebe ich die drei genannten Songs natürlich auch. Wie gesagt: schwierig, weil alle stark sind, wie ich finde.

GRINGOZ: Nehmen wir an, ihr könntet ein „Feine Sahne Festfilet“ Festival (oder halt die zweite Auflage von Wasted in Jarmen Open Air) gestalten, mit euch im LineUp natürlich, wie würde dieses Auflage aktuell nach eurem Geschmack aussehen?

CHRISTOPH: Naja, also das „Wasted in Jarmen“ Festival haben wir jetzt ja schon zwei mal organisiert und es war beide Mal wundervoll und richtig geil. Also, es steht zwar noch nichts fest, aber wenn dann würden wir wieder ein drittes Mal das „Wasted in Jarmen“ Festival veranstalten mit vielen tollen Bands und weiteren Attraktionen. Wie die Jahre zuvor, bloß halt wieder etwas größer und anders. Das wäre dann das optimale „Festfilet“. So würde das aussehen.

GRINGOZ: Findet ihr es wichtig, wenn Festivals außerhalb eines LineUp´s auch eine gewisse Message dem Publikum vermitteln? Beispiel hierfür wäre ganz klar das Jamel rockt den Förster Festival.

CHRISTOPH: Ja, selbstverständlich finden wir das wichtig. Das haben wir ja mit dem „Wasted in Jarmen“ Festival die letzten Jahre immer gemacht. Auf dem Land Kultur schaffen und rechte Hegemonien brechen. Ein vielfältiges und linkes großes Festival auf dem Dorf schaffen, was für alle offen ist, außer halt für Nazis, Rassisten und menschliche Arschlöcher. Darum geht’s in der Message. Das „Jamel rockt den Förster“ macht das ähnlich. Klar, sind Festivals immer Orte des Hedonismus und das ist auch gut so, aber wenn so viele Menschen zusammen kommen, gilt es sich auch auf politischer Ebene auszutauschen. Immer eine super Möglichkeit um Inhalte rüber zu bringen. Wir haben immer auch Vorträge im Programm und füllen das Programm des Festivals immer wieder auch mit politischen Aktionen.

GRINGOZ: Wie sieht 2018 in einer groben Zusammenfassung für euch aus?

CHRISTOPH: Ich kann zwar nicht hellsehen, aber wir werden als Band ein spannendes und aufregendes Jahr haben. Wir werden wahrscheinlich viel erleben auf künstlerischer und politischer Ebene. Tolle Touren mit dem Album, ein starker Festivalsommer. Sowieso einen schönen Sommer. Viel politischer Struggle. Man wird sich oft auf der Straße wieder treffen, um gegen rassistische Zustände und Nazis vorzugehen. Offensiv uns selbstbewusst natürlich. Das Jahr wird ganz nach unserem Albummotto: Stürmisch und dreckig in allen Lebenslagen. Positiv, wie auch negativ.

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Denkt er wäre der Administrator, fährt Smart, mag Enten, Guitar-Hero-Profi, putzt Bier mit Zähnen - oder umgekehrt?, cheated bei Pokémon Go, speifrei seit 2014, Erste-Reihe-Milchtrinker aus Überzeugung und liebt Katzenbilder.

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