Interview: Donots – Wir werden so lange spielen bis wir allen auf den Sack gehen!

Wir haben uns auf dem Highfield Festival mit Ingo von den Donots zum Interview getroffen um ein bisschen über das neue Album, die anstehende Tour und die Amigos zu sprechen.

2018 geht es auf „Lauter als Bomben“ Tour. Können wir zu diesem Anlas mit einem neuen Album rechnen?

Ingo: Also wenn ich jetzt komplett alles erzähle wird ich wahrscheinlich morgen meines Amtes enthoben. Nein, also ganz so geheimnisvoll ist das nicht mehr. Es wissen schon ein paar Leute das wir seit längerem an ner neuen Platte schrauben und um ehrlich zu sein ist ne neue Platte ja auch gute Werbung für ne Tour, früher war das ja mal umgekehrt. Ja, im nächsten Jahr wird es eine neue Platte geben und dann werden wir auf Tour kommen und wieder so lange spielen bis wir allen Leuten auf den Sack gehen

Ich könnte es verstehen wenn meine Eltern Kopfschüttelnd vor der Bühne stehen würden.

Euer letztes Album „Karacho“ war das erste deutschsprachige Album. Können wir wieder mit einem Deutschen Album rechnen? Oder mit einer Mischung?

Ingo: Wir haben schon ein paar Mal die Kassierer gecovert, solche Späße haben wir schon davor gemacht aber Karacho war die erste richtige Platte und das hat so viel Spaß gemacht und auch so viel frische in den Proberaum reingepustet. Wenn man 23 Jahre das gleiche macht mit über 1000 Konzerten auf dem Buckel ist man irgendwann froh wenn mal neue Impulse kommen und die restlichen Synapsen die noch nicht weggesoffen sind noch mal durchkneten kann. Daher war das für uns wie ein Reset und das fühlt sich gerade so saugut an, dass es blöd wäre es nicht weiter zu machen. „Karacho“ haben wir nachträglich auf Englisch heraus gebracht und das möchte ich bei diesem Album genau so handhaben. Das Beste aus beiden Welten, das wäre toll.

 

Mit welcher Band würdet ihr gern einmal auf Tour gehen? Gibt es da überhaupt noch Bands, die nach Billy Talent, Flogging Molly, Anti-Flag, Green Day usw. in Frage kommen?

Ingo: Wir haben uns echt schon ganz viele Träume erfüllt. So lange die Leute keine Arschlöcher sind, würde ich so ungefähr mit jeder Band auf Tour gehen. Das ist für uns das wichtigste. Arschlöcher findet man an jeder Straßenecke. Aus meiner Sicht als Fan haben die Touren mit Green Day oder Rise Against total super und jede Band auf diesem Planeten würde gerne einmal mit den Foo Fighters auf Tour gehen. Ich feiere gerade die neue Brand New Platte, das würde musikalisch nicht unbedingt passen aber ich würde dann gern mit einer Band auf Tour gehen die ich mir auch jeden Tag ansehen wollen würde. Und wenn man es irgendwie schafft Clash aus den Gräbern zu erheben, das würde ich auch sofort machen.

 

Der Festivalsommer ist beinahe vorbei, was war in diesem Jahr euer schönstes/ spannendstes Erlebnis?

Ingo: Wir haben diesen Sommer wirklich nur tolle Festivals spielen dürfen, da waren so strange Sachen dabei wie ne Punkshow auf Mallorca mit Bad Religion und den Toll Dolls. Rock am Ring war natürlich toll obwohl es da sehr spannend war ob das überhaupt stattfinden wird, da war die Stimmung schon echt seltsam als wir morgens aus dem Tourbus gekrochen sind und da 1500 Bullen das Gelände abgesucht haben, das war ganz merkwürdig. Der ganze Festivalsommer war wirklich toll für uns weil die Karacho schon so lange draußen ist und wir dementsprechend alle Leute die Texte mitsingen und wir tolles Feedback bekommen. In dieser Art und Weise haben wir das noch nie erlebt. Insgesamt war der ganze Sommer ein Erfolg, abgesehen vom Wetter.

 

In der Welt passiert zur Zeit eine ganze Menge. Ihr als Band habt euch politisch ganz klar positioniert. Würdet ihr euch das auch von anderen Bands wünschen?

Ingo: In einer perfekten Welt wäre es toll wenn jeder seine Stimme nutzt vor allem wenn man die Chance hat damit Leute zu erreichen. Am Ende des Tages machen wir aber Entertainment, die Leute kommen natürlich weil sie feiern wollen. Ich finde es aber trotzdem verantwortungslos in Zeiten wie heute zumindest nicht klar Stellung zu beziehen. Man wir zwar nicht den Fascho davon überzeugen nicht mehr Fascho zu sein, auf der anderen Seite wirst du, wenn du auf nem Punkfestival Alerta Antifascista rufst nur Applaus ernten aber die wissen das auch schon. Der wichtige Kampfraum ist in der Mitte, bei Leuten die sich mit solchen Themen nicht sensibilisiert haben, da kann man die Stimme für ein friedliches Miteinander erheben. Es ist toll wenn Punkbands ihre Stimme nutzen aber mir wäre es lieber wenn Helene Fischer ihre Stimme dafür nutzen würde, wenn die Amigos ihre Stimme nutzen würden. Wenn genau die Leute ihre Stimme nutzen, deren Fans sich augenscheinlich überhaupt nicht mit solchen Themen auseinander setzen. Da würde es interessant werden. Auf einem Punkfestival rufen „Nazis raus“ ist kokett. Auf einem Nazifestival zu rufen „Nazis raus“ ist mutig, bringt aber nichts.

 Jede Band auf diesem Planeten würde gerne einmal mit den Foo Fighters auf Tour gehen.

 

In den letzten zwei Jahren mussten viele Festivals unterbrochen werden (Terrorwarnungen, Unwetter). Veranstalter sind deutlich vorsichtiger geworden. Wie geht ihr mit dieser Entwicklung um und wie geht es euch dabei?

Ingo: Als die Bataclan Attacke war bei der so viele Leute zu Tode gekommen sind, da haben wir zwei Wochen später eine Clubtour angefangen und ganz viele Bands haben zu der Zeit gesagt, dass es ihnen zu heikel ist und sind nach Hause geflogen, vor allem Amerikanische Bands. Wir haben damals gesagt: „Jetzt erst recht, das müssen wir jetzt machen“ und das ist dann auch einfach ein Zeichen das man setzen muss. Natürlich ist das eine Situation, die kann man sich nicht weg saufen oder weg reden. Das sind neue Gegebenheiten mit denen wir uns einfach anfreunden müssen. Aber wenn man an der Stelle einknickt, genau dann haben doch Terroristen, die Idioten gewonnen. Das kannste nicht machen. Und natürlich sind da Leute die trotz allem Geld bezahlen und auf Festivals gehen. Festivals sind nicht mehr sicher, ich bleib zu Hause, das zu sagen wäre ja ein leichtes. Aber das Highfield Festival ist ausverkauft, Rock am Ring ist ausverkauft, die kleinen Festivals sind ausverkauft. Die Leute haben nicht so viel Angst und dann kann man nicht als Band losgehen und deren Ängste schüren mit denen man heutzutage leben muss. Inzwischen gibt es für Bands Versicherungen, die deren Gage erhalten, falls Shows kurzfristig ausfallen müssen aufgrund von Terrorwarnungen. Ich finde es großartig wenn Leute trotzdem auf Festivals und Konzerte gehen, ich finde es großartig wenn Bands trotzdem spielen, ich finde es unglaublich zum Kotzen wenn trotzdem solche 5000-Leute Nazifestivals durch gewunken werden aber kleine Umsonst&Draußen Festivals scheitern an den neuen Sicherheitsbestimmungen und müssen abgesagt werden. Da muss was gemacht werden weil das kann überhaupt nicht angehen.

 

Was dachten eure Eltern als ihr die Band gegründet habt? Und wie war die Reaktion als ihr das erste Mal auf Tour gegangen seid?

Ingo: (lacht) Das ist eine lustige Frage. vor vier Wochen haben wir beim Deichbrand gespielt und da ist Mama an dem Tag 70 geworden. Die wusste nichts von ihrem Glück aber wir haben sie dann mit auf die Bühne geholt. Mama und Papa sind heutzutage eigentlich die größten Fans von der Band, wenn wir in der Nähe sind kommen die immer vorbei, tragen immer unsere Shirts und sind ganz stolze Eltern. Die ganzen Nachbarn in Ibbenühren können die Geschichten schon nicht mehr hören. Als wir damals angefangen haben, dachten die wir wären nur gelangweilte Teenager und ab dem Moment wo wir das erste Mal im Radio oder Fernsehen liefen so um 2000, da wurde ihnen klar, das muss was sein. Ich bin froh das meine Eltern Fans sind, könnte aber auch verstehen wenn die Kopfschüttelnd vor der Bühne stehen.

 

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Kreative Seele des Hauses, trinkt den Jägermeister warm, Studentin, mag Kevin mehr oder weniger, hat eine legale Adobe Cloud, Führerschein Klasse B, streichelt Einhörner und hat diesen Text definitiv nicht selbst geschrieben.

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