„Drei Freunde, jeder ein Instrument und los“ – Hirsch von MONTREAL im Interview

Das neue Album mit dem wohlklingenden Titel „Schackilacki“ ist frisch auf dem Markt, der Festivalsommer ist vollgepackt mit Terminen und im Herbst steht dann auch noch eine eigene Clubtour auf dem Programm – MONTREAL legen aktuell wieder so richtig los. Grund genug für einen kleinen Kreuzverhör mit Bassist und Sänger Hirsch.

Gringoz Magazine: Am Freitag ist euer neues Album “Schackilacki” erschienen. Was dürfen eure Fans von der Platte erwarten?

Hirsch: Zwölf Lieder, die in 31 Minuten und 16 Sekunden alles geben – sie werden gespielt mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Yonas und ich singen ziemlich genau jeder die Hälfte. Jeder, der uns vorher etwas mochte, wird es sehr gut finden!

Habt ihr beim Entstehungsprozess der Platte irgendetwas anders gemacht als bei den Alben zuvor?

Wir haben erstmals ALLES fertig geschrieben gehabt, als es ins Studio ging, das heißt, wir mussten da nicht mehr rumdoktern, sondern konnten sehr viel Zeit mit Optimierung verbringen, das merkt man. Es dürfte unser erstes Album ohne jegliche Stinker sein. Zudem haben wir erstmals recht minimalistisch aufgenommen – wenig Spuren, Gesang nicht gedoppelt – es sollte nach dreiköpfiger Band klingen und das tut es auch.

Auf “Schacklacki” ist ein Song über Osnabrück zu finden, obwohl ihr ja eigentlich alle aus der Nähe von Hamburg kommt. Was hat es damit auf sich?

Das Lied ist der Versuch einer Aufarbeitung unseres über all die Jahre schwierigen Verhältnisses zu dieser Stadt, die regelmäßig von sich behauptet, dass dort die glücklichsten Menschen wohnen. Das war für uns immer schwer nachvollziehbar. Das Lied verstehen die einen (vermutlich Osnabrücker) als Liebeserklärung und andere als Hasstrack – dass wir nun das Video dazu aus „logistischen Gründen“ ausgerechnet im verfeindeten Münster gedreht haben, führt nicht unbedingt zur Beschwichtigung in dieser Frage bei.

Eure Musik wird gerne mal sinngemäß als Gute-Laune-Punk mit lustigen Texten bezeichnet, obwohl eure Lieder ja auch ernstere Hintergründe haben (wenn auch mit einem Augenzwinkern verpackt – siehe z.B. “Idioten der Saison”) – fühlt ihr euch da als Band manchmal unterschätzt bzw. nicht ernst genommen?

Das ist uns ziemlich egal. Bands sollte man allgemein nicht zu ernst nehmen, es geht ja immerhin nur um Musik und wie jemand das nennt, was wir da machen, ist uns nicht wichtig. Wir haben ne super Zeit zusammen, schreiben Lieder und es gibt Leute, denen das gefällt – was will man denn mehr?!

Was bedeutet “Punk” für euch überhaupt?

Uff. Da sind wir als Anfang der 80er Geborene ja schon allein wegen der späten Geburt raus. Das lass dir mal besser von den älteren Semestern definieren – wir sind als Jugendliche mit Bands in Berührung gekommen, die dem großen Dachverband „Punkrock“ zuzuordnen sind und waren und sind fasziniert von dieser im Grunde simpel gehaltenen Musik und der Energie, die in ihr steckt. Das wollten wir auch machen und machen das grob bis heute nach dem gleichen Prinzip: Drei Freunde, jeder ein Instrument und los.

Kollegen von euch, die ITCHYs, haben ja kürzlich ihren Bandnamen geändert. Mal angenommen, ihr wärt gezwungen, ab sofort nicht mehr “Montreal” zu heißen…wie würdet ihr euch nennen?

Na Poopzkid wäre ja dann jetzt wieder frei, oder? In Anlehnung an die Pünktlichkeitsquote unseres Herrn Schlagzeuger könnten wir uns aber auch „Max Power and the waiters“ nennen.

Gestatten: „Max Power and the waiters“. (Foto: © Max Threllfall)

Ihr habt mittlerweile schon fast 700 Konzerte in 17 Ländern gespielt. Wart Support für Bands wie die Bloodhound Gang und viele andere große Namen. Gibt’s trotzdem noch irgendwelche großen Ziele bzw. Träume, wo oder mit wem ihr gerne mal spielen würdet?

Wir sind in erster Linie sehr froh und dankbar über alles, was uns schon Wunderbares widerfahren ist und was wir alles erleben durften – große Träumer waren wir nie. Wenn du umtriebig und auf Zack bist, ergeben sich Dinge und auf einmal spielst du als deutschsprachige Band in Moskau oder Äthiopien – egal, was da noch kommt, wir freuen uns über so ziemlich jedes Konzert sehr, weil es immer ein Freundesausflug mit Instrumenten und T-Shirt-Kartons ist.

Hast du irgendwelche Geheimtipps an deutschen Punk-Bands auf Lager, die wir dringend mal auschecken sollten?

In Düsseldorf gibt es so eine Band, die hat ein Album rausgebracht – irgendwas mit Natur – holt euch die, bevor der Hype abgeht.

Die letzten Worte gehören dir! Gibt’s noch etwas, was du an dieser Stelle an die Menschheit loswerden möchtest?

Ach, am wichtigsten sind uns bei dem ganzen Zauber doch immer noch die Konzerte – im Herbst geht es wieder auf große Fahrt in alle Winkel des Landes. Wir freuen uns wie blöd über jeden der kommt. Hier findet ihr die Termine, sollte für jeden was dabei sein: www.montrealmusic.de.

Also, stürmt am besten direkt zu den physischen oder digitalen Plattenregalen eures Vertrauens, um euch die neue MONTREAL-Scheibe „Schackilacki“ (zu der ihr hier unseren Review findet) zu sichern – und die Tourdates der Herren dürfen ebenfalls notiert werden:

Festivals

25.06. Neuhausen ob Eck, Southside Festival
06.07. Bochum, Bochum Total
08.07. Straubenhardt, Happiness Festival
11.08. LUX – Echternach, E-Lake Festival
12.08. Mittegroßefehn, Großefehn Open Air
26.08. Neuenkirchen, Rock anner Rutsche

„Schackilacki“-Tour 2017

06.10. Hannover, Musikzentrum
07.10. Osnabrück, Kleine Freiheit
19.10. Nürnberg, Club Stereo
20.10. CH – Zürich, Dynamo21
21.10. Stuttgart, Club Cann
26.10. Dortmund, FZW
27.10. Köln, Underground
28.10. Bremen, Tower
03.11. Wiesbaden, Schlachthof
16.11. Leipzig, Conne Island
17.11. München, Feierwerk
18.11. AUT – Wien, B72
22.12. Berlin, SO 36
23.12. Hamburg, Markthalle

Alle Fotos: © Max Threllfall

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Connection-Tante, hat kein gutes Mikrofon, mag kein Eskimo Callboy - aber Eskimo Callboy mögen sie, kann kein schwäbisch imitieren, steht für Avocados und Weltfrieden, hat immer einen Geheimtipp auf den Lippen und darf schon wählen.

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