„Uns macht es Spaß, wenn uns die Leute unterschätzen“ – Marco Pogo von TURBOBIER im Interview

Bei der Österreichischen Punk-Kapelle TURBOBIER läuft’s wie am Schnürchen. Mit ihrem aktuellen Album „Das Neue Festament“ sind die Herren erst kürzlich auf Platz 1 der Charts in ihrer Heimat eingestiegen, gerade rollen sie mit dem Tourbus durch den deutschsprachigen Raum, um die neuen Songs live unters Volk zu bringen und selbiges zum intensiven Bierkonsum zu animieren.

Wir trafen Rudelführer Marco Pogo vor dem Konzert im Stuttgarter Goldmark’s, natürlich standesgemäß mit einem köstlichen regionalen Bier in der Hand, um u.a. über das Turbobiersche Erfolgsgeheimnis, Grundwerte der Bieristischen Glaubensgemeinschaft und den heiligen Gerstensaft zu sprechen.

 

 

So, für unsere Leser, quasi als kurze Vorstellungsrunde zum Anfang, die ganz banale Frage – wer ist TURBOBIER und was macht ihr?

TURBOBIER ist Marco Pogo, Fredi Füzpappn, Baz Promüü und Doci Doppler. Wir sind eine Band. Wir sind eigentlich die ultimative Rockband aus Wien-Simmering, die sich im Jahr 2014 am Schnellimbiss „Helga“ im 11. Wiener Gemeindebezirk, was übrigens ein sehr, sehr schöner Ort ist, den man euren Lesern auch durchweg als Reisetipp mitgeben kann, aufgrund einer Notsituation formiert hat, weil uns das Geld für Bier sukzessiv ausging. So gesehen lag der Gedanke nahe, eine Band zu gründen und das haben wir dann auch getan. Seitdem ziehen wir als TURBOBIER durch die Landen.

Gestatten: Die Herren TURBOBIER.

Gestatten: Die Herren TURBOBIER.

Schöne Geschichte auf jeden Fall! Euch gibt es ja seit 2014, also noch gar nicht so lang, aber ihr habt ja doch schon einiges erreicht. Ihr habt den Amadeus Award gewonnen, seid jetzt neulich auf Platz 1 in den Charts in Österreich eingestiegen – herzlichen Glückwunsch dazu übrigens! Was glaubst du denn, was euer Erfolgsgeheimnis ist – abgesehen vom schönmachenden Bierkonsum natürlich?

Absolut (grinst)! Danke erstmal für die Blumen. Unser Erfolgsgeheimnis…ich glaub einfach authentisch bleiben und Spaß an dem haben, was man macht. Das bezieht sich jetzt nicht nur aufs Musik machen, sondern ich glaub das bezieht sich auf alles im Leben, was man angreift. Das sollte man mit einer gehörigen Portion Laune und Spaß betreiben und so betreiben wir das auch. Und wenn man immer versucht, möglichst viel Spaß dabei zu haben, wird’s auch nicht fad und ich glaub das merken die Leute dann auch, dass wir mit dem, was wir machen, eigentlich einen ziemlichen Gaudi haben. So gesehen würde ich das als unser Erfolgsrezept bezeichnen. Wenns uns keinen Spaß mehr machen würde, dann würden wir wahrscheinlich irgendwas anderes machen, so wie einen Curling-Verein gründen oder Holzschlapfen schnitzen oder so.

„Wir haben mächtig viel Spaß dabei, uns selbst zu underraten.“

Du hast jetzt schon wunderbar zur nächsten Frage übergeleitet! Als ich mich auf das Interview vorbereitet habe, habe ich ganz klassisch natürlich auch ein bisschen euren Wikipedia-Artikel studiert und dabei einen ganz witzig formulierten Satz gefunden: “Textlich behandelt die Band vor allem typische Punker-Themen wie Bierkonsum, Flaschenpfand oder den Bezug von staatlicher Unterstützung”. Nun ist es ja aber so, dass ihr auf eurem neuen Album auch ernstere Töne anschlagt, zum Beispiel im Song „A Mensch is a Mensch“ und generell, du hast es ja auch schon in anderen Interviews betont, dass hinter TURBOBIER trotz allem Spaß, was du ja gerade auch schon gesagt hast, auch eine gewisse Ernsthaftigkeit steckt. Ist es so, dass ihr euch als Band da manchmal ein bisschen unterschätzt oder abgestempelt fühlt als „Spaß-Punker“, obwohl da ja schon ein ernster Hintergrund dahintersteckt?

Ja, um es ehrlich zu sagen – wir haben mächtig viel Spaß dabei, uns selbst zu underraten, wie jetzt ein Native Speaker sagen würde. Ich weiß gar nicht, wie man das auf Deutsch sagt…uns macht es Spaß, wenn uns die Leute unterschätzen. Und das ist eigentlich auch so ein bisschen ein Motor, den wir haben. Im persönlichen Gespräch kristallisiert es sich dann oft heraus, dass wir halt mehr als Dosenpfand und den Bezug staatlicher Unterstützung im Kopf haben. Allein dieser Spaßmoment, wie die Leute dann reagieren, der ist es wert, dieses Spiel weiterzuspielen. Wir finden es super, natürlich machen wir uns auch mehr Gedanken, was in dieser Welt so vor sich geht, das sollte eigentlich jeder Mensch machen und es ist auch an der Zeit, sich Gedanken zu machen, was sonst so um uns herum passiert. Wenn man mit nachdenklicheren Songs, also nennen wir es mal „nachdenklich“, weil es ist ja trotzdem noch eine TURBOBIER-Nummer und trotzdem ein lustiger Song, also ich finde ihn sehr positiv, wenn man damit schafft, dass irgendjemand seinen Schädel wieder anwirft und sich denkt „Hey, vielleicht haben sie Recht, die Burschen“, dann haben wir eigentlich alles erreicht, was wir erreichen wollten.

Wahrscheinlich ist es ja sogar so, dass wenn man ernste Themen in einem etwas lockeren Kontext verpackt, dass es auch irgendwie eher ankommt.

Absolut! Und das Leben ist so ernst, alles ist ernst. Steuerausgleich und Brexit und persönliche Probleme…also ich wollt jetzt nicht den persönlichen Steuerausgleich mit dem Brexit gleichsetzen, aber nur um die Brisanz tagesaktueller Themen zu unterstreichen….es ist dennoch glaube ich wichtig, mit einem gewissen Humor an alles heranzugehen. Wenn man das verlernt hat, kann das Leben glaube ich ziemlich traurig und fad sein.

Jetzt seid ihr ja aktuell auf Tour, wie man sieht…

(unterbricht) Also schauen wir schon so scheiße aus?

Im meinte eher so hier, wenn man sich hier [im Backstage, Anm. d. Red.] so umschaut, das war jetzt nicht auf dein äußeres Erscheinungsbild bezogen.

Bitte vermerk das, gell! (lacht)

Ihr habt ja jetzt schon ein paar Shows gespielt, wie lief’s denn bisher so? Also wie kamen die neuen Songs so an, hat alles so geklappt, wie ihr wolltet?

Also klappen tut’s eigentlich immer bei der After-Show-Party, da sind wir total routiniert und da haben wir auch wenig technische Probleme. In der Umsetzung klappt es herausragend, wir legen meist so einen Sechser- bis Siebener-Schnitt hin, also zwischen Sechs und Sieben legen wir uns dann hin. Es kommt auch jeder von uns so auf seine 13 bis 18 Bier pro Abend…oder hast du jetzt die Konzerte gemeint? (lacht)

Du kannst das gern beleuchten, wie du möchtest.

Achso, die Konzerte meinst du! Jaja, die waren super, die waren echt cool. Das war sehr schön natürlich, wenn man sieht, dass jetzt vor allem mal in Bayern schon mächtig viele Leute kommen, die zweite Show in Nürnberg war auch gleich ausverkauft. Das ist halt ein Thema, das entwickelt sich langsam nach oben oder beziehungsweise halt in den Westen zu euch. Aber da wissen wir halt, da müssen wir noch zwei, drei mal herfahren und mit den Leuten Party feiern und dann spielen wir vielleicht mal da drüben [im größeren Club Universum in Stuttgart, Anm. d. Red.] oder vielleicht mal irgendwo anders. Österreich ist halt immer geil für uns im Moment, das funktioniert schon ganz super. In Graz waren 400 Leute oder so, das ist schon eine gute Party dann, obwohl wir nicht mal von dort sind und die heimischen Shows kommen jetzt erst, also die wirklichen Heim-Shows. Aber wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft.

Habt ihr denn irgendwas, was ihr speziell mit Stuttgart verbindet oder an was denkt ihr so, wenn ihr Stuttgart hört?

Ja, Schmutzki! Gute Freunde von uns. Das geht ihnen wahrscheinlich genauso, wenn sie von Wien reden. Wir waren letztes Mal im Wizemann mit der Terrorgruppe, das war auch sehr cool. Ansonsten verbinden wir mit Stuttgart wahrscheinlich Stuttgart 21 und Mercedes, so wie jeder andere Österreicher auch.

„Man sollte immer auf sein Herz hören. Und da steht meistens ‚Bier‘.“

Jetzt bist du ja nicht nur Sänger und Gitarrist von TURBOBIER, sondern auch Kopf der BPÖ und der Bieristischen Glaubensgemeinschaft. Um mal bei deiner Religion zu bleiben – wie würdest du deinen Ungläubigen zum Bier bekehren? Gibt’s da irgendwelche Tricks?

Nein, man sollte immer auf sein Herz hören. Und da steht meistens „Bier“. Generell ist der Bierismus eine sehr friedliebende Religion und somit haben wir eigentlich schon fast allen Weltreligionen sehr viel voraus. Wir sind offen und jeder kann Bierist werden, auch wenn er im Moment noch an irgendeinen anderen Blödsinn glaubt, wir haben offene Türen. Prinzipiell gilt das Motto „Bei uns ists leiwand“. Und bei den anderen ists meistens oasch. Deswegen sollte man irgendwie zu uns kommen. Das würde ich jetzt mal so als Tipp in den Raum stellen.

Die nächste Frage trau ich mich fast gar nicht zu stellen, aber ich mach’s einfach mal, auf die Gefahr hin, dann mit Bierflaschen beworfen zu werden…

(unterbricht) Ich habe noch nie alkoholfreies Bier getrunken!

Nein, kein alkoholfreies, aber wie steht denn die Bieristische Glaubensgemeinschaft zu Bier-Abwandlungen wie Radler? Reicht da die Toleranz so weit oder geht das gar nicht?

Nein. Also prinzipiell sind wir wie gesagt sehr offen, aber Bier-Mixgetränke, die ja in Deutschland wie eine Plage übers Land herziehen – ich schau ganz bestimmt nach Bremen, ich glaub da ist die Firma Beck’s beheimatet, die ja wirklich mit Bierversuchen ganz üblen Schindluder treibt…wir grenzen niemanden aus. Außer Radler-Trinker, da sind wir sehr konservativ. Eigentlich wirklich erzkonservativ. Sonst ist alles okay. Aber bei Bier hört der Spaß auf (lacht).

Man braucht ja auch seine Grundwerte!

Absolut! Das ist in unserer Religion verankert.

Welches Bier trinkt ihr denn so am liebsten, wenn ihr in Deutschland unterwegs seid, abgesehen von eurem eigenen “Turbobier” natürlich?

Gut, das nimmst du jetzt vorweg. Das teilt sich so 50/50 bei uns auf…50 Prozent der Band sind schon auch große Weizenbier-Fans, deswegen freuen wir uns auch immer, wenn wir irgendwo hinkommen und es gutes Bier gibt. Hier zum Beispiel das Wulle, das ist auch eins, was uns sehr gut schmeckt, jetzt nicht nur wegen der Nähe zu Schmutzki, weil die feiern das sehr, aber es schmeckt auch wirklich gut. Ansonsten trinken wir eigentlich immer Turbobier und das Turbobier nehmen wir natürlich auch über die Grenze mit, weil wir der Meinung sind, es ist das beste Bier der Welt und wir sollten es Deutschland auch nicht vorenthalten. Derweil haben wir noch keinen Vertrieb für das Bier in Deutschland…

Das kommt bestimmt noch!

Du, kommt Zeit, kommt Bier, sage ich immer (lacht).

Kannst du denn schon einen kleinen Ausblick geben, was dieses Jahr noch so ansteht bei TURBOBIER? Ich mein, ihr habt ja jetzt schon so fast die Weltherrschaft an euch gerissen…ihr habt eine App, ihr habt ein Brettspiel, was soll da noch kommen?

Das stimmt! Wie du sagst, die Latte liegt sehr hoch, wir versuchen sie noch immer zu übetrumpfen. Ende des Jahres soll „TURBOBIER – Der Film“ erscheinen und bis dahin sind wir mit Festivals eingedeckt, das Wacken haben wir jetzt announced, dann spielen wir das Summerbreeze, Helene Beach und Big Day Out, also auch wirklich sehr feine Sachen. Ja und dann beginnen mal die, in Anführungsstrichen, „Arbeiten“ zum dritten Album, wenn diese Tour jetzt mal vorbei ist…solang uns irgendwas einfällt, werden wir irgendwas machen. Man kann sich darauf freuen, wo so viel schon hergekommen ist, da kommt noch viel mehr (lacht).

So, zum Abschluss noch eine Frage, die nichts mit TURBOBIER zu tun hat: Das Jahr ist ja noch relativ jung, auch was so Musik angeht. Hast du irgendwelche Platten, auf die du dich dieses Jahr besonders freust oder irgendwelche Geheimtipps vielleicht, die man dringendst mal auschecken sollte?

Ja, also auschecken sollte man auf jeden Fall die Wiener Band Reverend Backflash, die unserer Meinung nach die beste Rock’n’Roll-Band von überall ist. Dann gibt’s auch noch die Igel vs. Shark, die auch eine hammergeile Rockband sind, die zu dritt einen Sound aufs Parkett bringen, dass wir uns anscheißen auf gut deutsch. Und dann gibt’s auch noch, die haben jetzt eine neue Platte draußen, „Moshburger“ heißt die von Insanity Alert aus Innsbruck. Halb Holländer, halb Innsbruck, total krasse Mischung, die es sonst eigentlich nie gibt und die machen feinsten Thrash Metal. Das hören wir sehr gern im Bus, weil es wirklich gute Laune macht. Das sind so drei Geheimtipps aus Österreich. Wer jetzt heuer noch Alben released, weiß ich gar nicht auswendig (lacht), ich krieg das immer erst mit, wenn sie dann da sind.

(Bandkollege Doci Doppler klinkt sich ein) Alle, die du aufgezählt hast, haben schon released.

(Marco) Sie haben schon released, aber deswegen kann man es ja gleich auschecken. Ich wiederhole: Reverend Backflash, Igel vs. Shark und Insanity Alert.

So, das war’s eigentlich schon von meiner Seite – hast du noch irgendwelche letzten Worte, die du an die Menschheit loswerden möchtest?

Ja, lasst die Finger vom Radler, kommt zu TURBOBIER-Konzerten und geht als stolze Bieristen wieder nach Hause, das wird nämlich garantiert so passieren, so steht es nämlich in der heiligen Bierbel geschrieben. Wir freuen uns auf das, was jetzt kommt und danke für das schöne Interview!

Ihr wollt auch der Bieristischen Glaubensgemeinschaft frönen? Dann hört doch mal in das aktuelle TURBOBIER-Album „Das Neue Festament“ rein, das nach wie vor überall erhältlich ist. Oder stattet den Jungs gleich persönlich einen Besuch ab:

03.03.2017 DE – Dresden – Groovestation
04.03.2017 AT – Klagenfurt – Stereo
09.03.2017 DE – Düsseldorf – Tube
10.03.2017 DE – Hamburg – Headcrash
11.03.2017 DE – Berlin – Privatclub
16.03.2017 AT – Linz – Posthof
18.03.2017 AT – Wien – Flex

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Connection-Tante, hat kein gutes Mikrofon, mag kein Eskimo Callboy - aber Eskimo Callboy mögen sie, kann kein schwäbisch imitieren, steht für Avocados und Weltfrieden, hat immer einen Geheimtipp auf den Lippen und darf schon wählen.

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