Live-Review: Highfield Festival 2016

Staub über Staub, miesgelaunte Leute, Oragnisation der Planlosigkeit und wahnsinns Acts, ja so würde ich das Highfield in kürzester Variante beschreiben, aber fangen wir mal von ganz vorn an.

Highfield16 Green Stage

Donnerstagabend ging die Fahrt zum Festivalgelände los, glücklicherweise haben schon Freunde nachmittag sich angestellt und für den Rest von uns Zeltplätze reserviert. Da statt den geplanten 25 000 Leuten nun 35 000 Leute auf derselben Fläche Platz finden mussten könnt ihr euch vorstellen wie nah man seinem Nachbarn stehen musste. Selbst im Grüner Wohnen Bereich war man an der Kuschelfraktion unfreiwillig beteiligt. Als wir gegen 22 Uhr am Gelände ankamen wurden wir zu unseren Parkplätzen eingewiesen, jedoch sah man nach gefühlt 1 Sekunde nichts mehr vor lauter Staubwolken. Mitten auf dem Weg sollten wir stehen bleiben und parken, doch bevor das einer verstanden hat stand schon die nächste Reihe mit Autos neben uns. Eine bessere Einweisung wäre wünschenswert gewesen, da keinerlei Markierungen vorgenommen wurden. Nach der ersten Verwirrung packten wir so viel Sachen wie wir konnten, um möglichst einen erneuten Weg zum Auto zurück zu ersparen und wanderten bis zum Bändchenhäuschen. Und ja das erste Bier zischte auf dem ca 30 minütigen Weg. Nachdem wir die erste Hürde hatten ging es nun Richtung Zeltplatz bzw Grüner Wohnen Bereich, der natürlich am anderen Ende war, aber glücklicherweise 5 Minuten neben dem Festivalgelände. Schon jetzt war der normale Zeltplatz überzogen mit einer Staubschicht, dennoch feierten an jeder Ecke schon ein paar Leute, dabei ertönten jegliche Stilrichtungen, über Hip Hop, zu Metal, zu Pop und Schlager usw. Wer wollte konnte an dem Abend im Partyzelt schon vorfeiern.

Freitagmorgen: Naja wohl eher Mittag, denn meine Leute versuchten mich vergebens zu wecken, gegen eins gab ich mich dann doch geschlagen, da die Sonne das Zelt ordentlich aufheizte. Während wir die ersten Bands vom Zeltplatz wahrnahmen, mussten wir erstmal bei Kaffee und Frühstück klar kommen mit der Welt. Die Duschen im Grüner Wohnen waren top, man musste maximal 10 Minuten anstehen, die Toiletten (jawohl keine Dixis, es waren wirklich Toiletten) waren zwar immer gut besucht aber selbst da hat man nicht länger als 15 Minuten gewartet. Natürlich hatten wir auch Dixis und Komposttoiletten mit Sägespäne, kein Plan wie die funktioniert haben, da ich diese stets gemieden hab XD Heute machten The Front Bottoms auf der Green Stage und Sunset Sons auf der Blue Stage gegen 16 Uhr den Anfang. Nachdem wir Massendefekt von weitem lauschten und die ersten Biere tranken machten wir unsere erste Runde ca 15:30 Uhr auf dem Gelände, wo man an jeder Ecke angequatscht wurde ob man nicht ein Foto machen will und was gewinnen will. Jack Daniels verschenkten Sportbeutel und bei kleinen Spielen konnte man noch andere Dinge wie Sonnenbrillen gewinnen. Was das Essen anging war glaub ich jede Richtung abgedeckt über chinesisch, indisch, deutsch, türkisch, schwäbisch, einfach alles worauf man nur Lust haben könnte. Pünktlich 18 Uhr begaben wir uns dann zur ersten für uns interessanten Band Sum41, noch mit eher mittelmäßigen Publikum heizten die Jungs die Stimmung ordentlich auf, die ersten Moshpits sorgten für Partystimmung in den vorderen Wellenbrechern, wobei man nicht mehr viel sah, da es den ganzen Staub aufwirbelte. Danach schauten wir den alten Klassiker Skunk Anansie an. Wir waren ziemlich enttäuscht, denn den Gesang vom Song „Hedonism“ hat man verzweifelt gesucht, im Gegensatz dazu gab es nur eine kreischende Frauenstimme die Kopfschmerzen bereitete. Aber eine super Show hat sie gemacht, mit Crowdsurfing und dabei weiter singen, die Leute bei Laune halten. Richtig Action ging bei Heaven Shall Burn ab, denn die bedankten sich tausendmal für den Auftritt auf dem Festival und stifteten die Leute zu Wall of Death, Circle Pits und Stagediving an. So eine riesige Staubwolke hab ich bei einem Circlepit noch nicht erlebt, man konnte für einen Moment nicht mal mehr vor zur Bühne schauen. So wie deren Bühnenbild nach Zerstörung rief, so ging die Masse auch ab. Hier war die übliche ausgelassene Festivalstimmung zu spüren, jedoch hielt diese nicht lange an. Denn Limp Bizkit trat mit einer Null-Bock-Laune auf, zogen ihre eigenen Songs in die Länge, spielten Cover von Nirvana und Metallica und der Aushilfsbassist aus Deutschland schlug große Reden. Als eine meiner liebsten Bands war ich von den Jungs extrem enttäuscht, denn sonst sorgen sie für Eskalation bei Konzerten und machen Party, aber davon war nichts zu spüren. Das Publikum reagierte auch dementsprechend und ging danach einfach, ohne klatschen ohne Zugaberufe. Eines der schlechtesten Auftritte der letzten Jahre die ich gesehen habe, leider. Den Abschluss an diesem Tag machten Scooter, wobei wir nur von weiten schauen konnten, da die Blue Stage komplett voll war und rund herum auch kaum noch Platz war. Man konnte somit nur erahnen was vor und auf der Bühne abgeht. Danach rannten alle nochmal zur Dusche um wenigstens wieder etwas anderen einzuatmen als Staub und ja die Duschen hatten gefühlt ewig offen.

 

Samstagmorgen: Nachdem man sich erst gegen 4 oder 5 oder gar noch später ins Zelt begeben hatte, gab es heute einen überraschenden Weckdienst erst 6 Uhr und dann nochmal richtig mit Soundcheck 7:30 Uhr, was für eine deutliche schlecht gelaunte Stimmung in jeder Ecke sorgte und man begrüßt wurde mit Sprüchen wie „Macht die Scheiße aus“ oder “ Ich Will Penn, was soll der Sch***“. Die extremen Bässe holten selbst die schlimmste Alkoholleiche aus dem Tiefschlaf und somit blickte man in zahlreich verschlafene Gesichter die draußen vorm Zelt saßen und versuchten mit Bier und Kaffee zu kontern.  Zu alle dem hatte es in der Nacht ordentlich geregnet was so einige Zelte zerstörte bzw überschwemmte. Glücklicherweise gab es die „Helga„, ein wie ich finde 6er im Lotto auf einem Festival, denn dort gab es Zelte, Pavillons, Stühle und Co zu kaufen. Das sollte ein absolutes MUSS für jedes Festival sein.

Nach und nach begannen dann die üblichen Spiele wie Flunky-Ball (kein Plan wie man das schreibt, hauptsache das Bier läuft), die ersten suchten Dusche und Wasserstelle auf oder gingen an den Strand. Bei uns ging es diesmal 13 Uhr mit Fjort los, welche ich mir auf Empfehlung meiner Kollegen anschaute und wuhaaa die haben ja mal richtig gerockt. Ein wunderbarer Einstieg in den Tag. Danach begaben wir uns noch zur Blue Stage wo I Come From The Sun spielten. Die Leipziger bewiesen, dass sie auch zur Mittagszeit in brütender Hitze die Menge zum feiern bringen kann, aufgelockert wurde das ganze durch die immer wieder abfälligen ironischen Kommentare des Sängers, was eine wunderbare Herzlichkeit vermittelte. Von weiten hörten wir Skinny Lister zu, welche anscheinend gute Laune verbreiteten, denn ständig ertönte ein grölen und lachen der Zuschauer. Nach kurzer Pause strömten wir zur Green Stage um mit Caliban das Gelände abzureißen. Da noch nicht ganz so viel los war wagten wir uns in den Circlepit und man ging die Masse ab, da kamen so einige mit verletzter Hand oder Fuß oder gar mit blutiger Nase heraus. Was aber mal so gar nicht ging, was auch leider bei anderen Bands war, dass mitten in der Menge irgendwelche Kerle der Meinung waren sich zu entleeren, da das Dixiklo soweit entfernt schien. Meiner Meinung nach hätte die Security in diesem Momenten reagieren müssen, aber es ist nichts passiert.  Das habe ich so noch nicht erlebt, absolutes No Go!

Unbeirrt ging es nun weiter mit Eagles OF Death Metal, die sorry „alten Knacker“ sorgten für übermäßig gute Laune und so langsam wurde es gemütlich im Gelände. Während nebenan Kontra K ein Kontrastprogramm lieferten, folgten auf der Green Stage Royal Republic, die mit Eleganz die Leute davon überzeugten schon mal ordentlich Gas zu geben, um schon mal warm zu werden für den Headliner des abends. Für die AC/DC-Fans machten Airbourne ihrem Posten alle Ehre, eine wahnsinns Show, die voller Energie steckte. Zwar nicht mein Musikgeschmack aber Live ein absolutes Highlight. Kommen wir nun zum Abfuck des Abends, NOFX, getreu dem Punkstil traten die Jungs mit einem winzigen Banner auf der nochmal extra beleuchtet wurde, da man ihn sonst womöglich übersehen hätte und gaben dann ihre Punkattitüde zum Besten. Dabei flogen schon mal Kommentare wie „Ihr seit Scheiße“ in das Gelände, dennoch feierten die Leute die Jungs. Am Ende spielten einer der Jungs noch auf dem Akkordeon eine Melodie, welche jeder mitgrölte und sich ins Gehirn brannte. 15 min lang versuchten Bandkollegen, Family und co ihn von der Bühne zu bekommen, während im Hintergrund die Umbauten schon im vollen Gange waren. Nachdem er weggezerrt wurde, stimmten wir in der wartenden Menge diese Melodie eine Stunde bis zu Rammstein immer wieder neu an. Auf der BlueStage wurden die Zuschauer mit AnnenMayKantereit beglückt, von Freunden kann ich berichten, dass diese eine super Show geliefert haben und immer weiter zu empfehlen sind. Ich verblieb im ersten Wellenbrecher der Green Stage und das komplette Gelände war nun voll bis in die kleinste Ecke, während jeder den Countdown bis zum Vorhangfall lautstark mitzählte. Die Show war voller Flammen, Geknalle und Rauch, Die Hitze war unerträglich. Die gesamte Menge sang die Songs mit und feierten bis zum umfallen. Krönung war als Till Lindemann mit Engelsflügeln in die Lüfte gehoben wurden und daraus Flammen und Knallkörper schossen, wohl eher ungeplant war der Flügelbrand am Schluss. Nach ca 1 1/2h war das traumhafte Spektakel vorbei und die 6 bedankten sich mit einem Verbeugen vor dem Publikum.

Sonntagmorgen: Der letzte Line-Up-Tag ist angebrochen, das Wetter war teils gut teils bewölkt aber weitestgehend trocken. An jeder Ecke wurden die ersten Zelte abgebaut und allmählich zum Auto geschafft. Feierlich wurden kaputte Sachen noch mehr zerstört und die letzten Essens- und Trinkreste vernichtet. 13:30 Uhr ging es los mit Highly Suspect, welche die müde Mannschaft vor der Bühne aufweckte und für ordentlich Bewegung sorgte. Kurz danach machten Schmutzki den Opener auf der Blue Stage, wo man die Festivaller schon laut mitsingen hörte. Der Brüller an dem Tag war die Truppe Monsters of Liedermaching, bei denen man keine Chance hatte großartig Luft zu holen vor Lachen, mit lustigen Anekdoten an das Leben, was denn so schief laufen kann usw. mussten alle mit lachen. Ein Bierausschank in der ersten Reihe erfreuten so einige Fans und munterten zum mitfeiern auf. Nach kurzer Verschnaufpause am Zelt rasteten wir bei Emil Bulls komplett aus, die Kerle wissen einfach wie man die Meute zum abreißen bekommt. Kurz danach machten wir uns die Freude und stellten uns zur Autogrammstunde an, während 5 Sterne Deluxe zu zweit die wippende Armfraktion zum jumpen aufrief. Dabei durften alte Klassiker von Das Bo nicht fehlen und die Reaktion im Publikum war überwältigend. Etwas fertig von den Vortagen chillten wir uns auf die Wiese zu Wolfmother und lauschten den Stonersound in aller Ruhe, dabei gab es von Sitznachbarn Knicklichter und Glitzer auf die Haut, als Vorbereitung für Deichkind. Auch bei dem heutigen Headliner war kaum noch Platz zu finden. Um es nochmal richtig krachen zu lassen, sorgten Deichkind für eine riesen Party auf der Bühne mit Hüpfburg, herumspringenden Menschen, während ein Fass in der Menge mit den Sängern auf Wanderschaft ging. Während kleine Remixparts zum tanzen aufforderten, erfreuten wir uns besonders über die alten Klassiker wie „Limit“, „Bon Voyage“ oder „Remmi Demmi“. Wie ich finde ein krönender Abschluss für das Festival, was einen über die ganzen Kleinigkeiten hinwegsehen ließ. Gegen 0 Uhr war dann der Abend gelaufen und die Heimfahrt konnte angetreten werden, da der Alltag und die Arbeit wieder gerufen hat. Dabei kam einen der Weg zurück zum Auto wie ein Marathonlauf vor, abgerundet mit Blicken auf die verwüstete Gegend mit den letzten feiernden Menschen.Highfield16 selfmade Cat

 

Fazit: Wer es bunt gemischt im Musikstil mag ist hier genau richtig, doch man sollte nicht zu sehr auf Organisation wert legen, sondern einfach in den Tag hineinleben und damit klar kommen, dass es nun mal bis zum Auto elende weit weg ist. Ja auch kuschelbereit sollte man sein, denn Nähe zum Nachbarn kann man leider nicht vermeiden, was einem aber auch wunderbare neue Bekanntschaften ermöglichen kann. Ein Schönes Festival war es, jedoch ist mir die Mischung zu extrem. Ich genieße dann doch lieber die Stimmung unter gleichgesinnten der Metalszene, denn wie schon oft festgestellt wurde, da geht man einfach liebevoller miteinander um. Cheers ihr Lieben.

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