Leise Töne, große Musik – Morcheeba live im Docks, Hamburg 08. Mai 2018

Morcheeba, die TripHop Könige der 90er, geben sich am 08. Mai im Hamburger Docks die Ehre. Obwohl TripHop und seine Vertreter seit den 90ern eine relativ kleine bis gar keine Rolle mehr im internationalen Musikgeschäft spielt, ist das Docks an diesem Abend so gut wie ausverkauft.  Das Publikum ist eine bunte Mischung aus jungen und alten Fans, Druffis, Hipstern und Durchschnitts-Popkult(o)uristen. Die Stimmung ist friedlich und positiv, kein Gedrängel, kein Geschubse vor, während oder nach dem Konzert. Durch die stickige Luft ziehen von Zeit zu Zeit marihuanageschwängerte Nebelschwaden. Auch das gehört zu TripHop- und  zu Morcheeba sowieso.

Support an diesem Abend ist Tim Schou, der sich nach seinem ESC-Skandal 2011 optisch und musikalisch stark verändert hat. Alleine, mit seiner schicken Takamine-Gitarre, im Surferlook, präsentiert er gut 30 Minuten lang recht belanglosen Lagerfeuer-Indiefolk für Coachella-Hipster.

Endlich betreten um 21:03 Morcheeba und ihre charismatsiche Sängerin Skye die Bühne. Während sich die Herren um Ross Godfrey in dezente Garberobe hüllen, präsentiert die Leadsängerin eine passgenaue und gewagte rot-schwarze Lederkombo mit Schleppe, die sie gekonnt vor dem auf der Bühne drappierten Ventilator in Szene setzt. An den Drums sitzt seit vier Jahren Skyes mittlerweile  22jähriger Sohn Jaega, ihr Jüngster wartet hinter der Bühne. Die familiäre Stimmung innerhalb der Band und der ungezwungene Umgang mit dem Publikum sind neben der perfekten musikalischen Darbietung Aushängeschilder von Morcheeba.

Bereits ab der ersten Sekunde hat Skye das verzauberte Publikum in der Hand. Ihre sanfte Stimmgewalt stellt sie bei jedem einzelnen Song des 1:40h langen Konzerts unter Beweis. Neben Klassikern wie „The Sea“, „Blood like Lemonade“ und „Part of the process“ gibt es auch neue Stücke vom am 1. Juni erscheinenden Albums „Blaze away“ live zu hören. Auffallend gutgelaunt und sympathisch führen Skye und Ross durch den Abend und die Stimmung (und die Temperatur) im Docks wird minütlich heißer. Immer wieder intoniert Skye kurze Text- oder Melodiefolgen und das textsichere Hamburger Publikum muss nicht lange zum Mitmachen animiert werden. Mrs. Edwards tanzt, lacht, hüpft  und strahlt eine Lebensfreude aus, die auf jeden Einzelnen im Publikum überzuspringen scheint, denn auch hier gibt es kein Halten mehr. Es ist eine einzige happy Hippie Love Party, die Morcheeba da nach Hamburg gebracht hat. Das mittlerweile auf Live Konzerten schon fast obligatorische David Bowie- Cover kommt heute in Form von „Let’s dance“. Unter frenetischem Applaus spielen Morcheeba noch  drei Zugaben und lassen das Konzert mit einer ausgelassenen Version von „Rome wasn’t built in a day“ enden, was den pefekten Abschluss eines durchweg positiven, glücklichen Abends bildet.

 

„You’re open to the skyline
You won’t want to go back home
In a garden full of angels
You will never be alone“

 

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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